3. One to Six

 

 

 

1

 

 

Ziemlich geschafft vom Leeren des Rucksackes, hatte sie sich in ihren Sessel fallen lassen & sich erst einmal einen Drink gegeben. So saß sie nun da, mit einem Arm in Gips. Die Knochen wieder sauberst & sämtlich in einem rechten Winkel geordnet. Ihr Glas war mittlerweile leer & der Wind fing an, unangenehm durch die Tür ihrer Veranda hereinzufahren. Sie ging zu dem Regal neben ihrem Arbeitstisch & nahm sich ein Paar der dickeren Wollsocken. Wieder zurück im Sessel streifte sie die Socken über. Das war gar nicht so leicht, mit nur einer Hand.

Mindestens drei Wochen, hatte der Arzt mit den Knackarsch ihr gesagt. Dann solle sie zum Röntgen kommen. Drei Wochen !   Sie hatte zunächst keine Vorstellung gehabt, wie sie ihr Leben würde leben können. Mit einem Arm in einem rechtwinkligen Gips. Der Arzt auch nicht.

Wie würde sie arbeiten können, wie den Spül erledigen & wie sich den Hintern abwischen ?   All diese Dinge. Mittlerweile hatte sie sich an einiges gewöhnt. An anderes wiederum nicht.

Sie könnte jetzt noch einen Drink gebrauchen, aber irgendwo war sie viel zu matt. Wo, werden wir möglicherweise später zusammen bekommen.

 

 

Digit schloß sein Rad an die Laterne. Hitec für siebentausend Ohren an einer dieser Straßenlaternen, unter denen wohl schon Lilil Marleen gesungen haben könnte, & sicher auch einige ihrer ganz billigen Schwestern. Egal. Er war ziemlich geschafft. Dieser Tag war fraglos & nachdrücklich in seinen Knochen steckengeblieben.

Nachdem er sich einen der Slams im Süden gegeben hatte, war er noch zu Gagga gefahren. Aber da hatte es ihn auch schon bald wieder vertrieben. Manchmal war Gagga wirklich einfach nicht zum Aushalten. Glücklicherweise wußte Gagga das. Und glücklicherweise war das kein Problem zwischen ihnen. Dazu war ihre Freundschaft einfach viel zu alt. Etwas, wovon andere vielleicht nur träumen konnten, wenn er sich so umsah.

Digit lehnte sich, gegenüber der Dönerbude, aus dem Dunkel heraus, an den Stromkasten & sah ihr zu. Sie trug eine Schürze & er mochte die Schleife über ihrem Po. Der war klein & fest. Zwei gute Hände voll. Das richtige Maß, wunderschön anzuschauen, sich wohl zu fühlen & von Griechenland zu träumen.

Jedesmal, wenn sie einen Kunden anlächelte, hätte er sie sofort heiraten können. Sie hatte diese Magie. Und sie besaß diese merkwürdige Kraft über ihn. Aber das hatte er ihr nie gezeigt, oder gesagt.

Zweimal war er ihr bisher begegnet. Von ihr hatte er sein erstes Döner überhaupt gekauft. Das war sehr angenehm & locker gewesen. Und sie hatte nicht nur gelächelt. Da war auch noch ein, durchaus ungewöhnlicher Glanz in ihren Augen gewesen, als sie ihm den Preis genannt hatte. Und es war dieser besondere Blick gewesen, den er einfach nicht vergessen wollte.

Etwa eine Woche später, in seiner Lieblingskneipe, hatte er sie dann wieder gesehen. Auf dem Gang zu den Toiletten, genau in der Ecke mit den Kondomautomaten. Da hatte sie gestanden & irgendwie durch ihn hindurch gestarrt.

Er war diese Situation wieder & wieder in Gedanken durchgegangen, hatte sie auf seinem inneren Bildschirm ablaufen lassen & dann immer mögliche Dialoge erfunden. Keiner davon war allerdings auch nur annähernd realistisch.

 

Der sehr kleine Japaner trat, kopfschüttelnd & mit großer Anstrengung, seinen dreirädrigen Motorroller an & brutzelte, wild gestikulierend, im Schrittempo in das, verlockend bunt & vielgestaltige, Gewühl des Marktes hinein.

Ob er wisse, was sich da denn nun genau abgespielt habe, hatte der sehr kleine Japaner von ihm wissen wollen. Gagga ganz &   gar nicht. Manche von Smackjacks Zuträgern waren schon skurrile Hanseln. Aber mittlerweile war ja nun wirklich alles zunehmend möglich.

Er hatte tatsächlich nichts mitbekommen. Also was hätte er, dem sehr kleinen Japaner, sagen sollen, sagen können ?   In derartigen Situationen war er über gängige Mutmaßungen & Deduktionen, welcher Art auch immer, weit hinaus. Wenn er nichts wußte, dann wußte er nichts. Und das sagte er dann. Mehr aber auch nicht.

Worin er sich von vielen anderen unterschied, hatte er immer wieder feststellen müssen. Mitunter extrem. Und dann wurde es meist problematisch. Manche der Gestalten um ihn her waren teils derart schräg drauf. Zum Bleistift all die, die in der Weltgeschichte herumliefen, als wären sie die Allereinzigsten auf den Bordsteinen, auf Haltestelleninseln, in Durchgängen & Passagen, welcher Art auch immer. Abruptes Anhalten in einem der Mahlströme. Völlig overdreßte Einjährige, in ihren Panzerwagen. Keine Gefangenen.

Und an manchen Tagen kam er dann einfach nicht daran vorbei, sich mit einigen Exemplaren, aus dieser absolut unglaublichen Dumpfbeutelbrigade anzulegen.

Möglicherweise brauchte er diese Adrenalinkicks, er war sich da manchmal wirklich nicht sicher. Jedenfalls änderte sich durch seine Einmischung nicht immer etwas. Nun gut, er machte sich im Laufe der Zeit ein paar Feinde mehr, & wohl auch ein paar Freunde. Aber das hätte er sicherlich auch billiger haben können. Ziemlich Gagga !

 

 

Walk ging nach draußen auf die Veranda. Er setzte sich auf die Couch & steckte sich eine Zigarette an. Der Magnolienbaum hatte begonnen, die Blüten zu öffnen. Jetzt würde es bald vorbei sein. In ein paar Tagen läge die ganze Pracht am Boden verstreut. Das Leben würde weiter seinen Gang gehen, die Blätter nach & nach verrotten. Es war ein schöner Tag. Der Himmel war vollkommen klar & blau & warm.

Bereits in der vorletzten Nacht hatte sich das Träumen bei ihm eingestellt. Gestern morgen hatten seine aktuelle Wirklichkeit & auch der Strom seines Wahrnehmens, damit begonnen, sich ganz entschieden in sein Manuskript zu entfalten.

Fünf Tage lang hatte er sich kaum aus dem Haus bewegt &, wie eins dieser legendären, hypnotisierten Kaninchen, vor seinem Bildschirm gesessen, um seinem Empfinden nachzuspüren, die losen Enden zu betrachten & gegebenenfalls aufzunehmen, oder aber, sie verrotten zu lassen, je nachdem.

Und zum ersten Mal hatte er sich, neben dem eigentlichen Schreiben selbst, Notizen machen müssen. Diese Geschichte war anders als seine früheren. Er konnte aber noch immer nicht genau sagen, was dies Andere war. Und das hatte ihn dann zunächst blockiert. Was jedoch keineswegs unangenehm gewesen war. Er hatte lediglich das Gefühl, es müsse einfach noch ein wenig in ihm backen, bis es sich zu erkennen geben könne.

Das waren dann immer die Momente gewesen, in denen er sich kurze Breaks gegönnt hatte. Telefongespräche, einen Gang an der frischen Luft mit einer vorbeigeschneiten, lieben Seele, oder ein paar Biere & ein Gespräch, in einer der näheren Kneipen.

 

Er bewegte sich noch immer kaum aus dem Haus & saß, nach wie vor ein hypnotisiertes Kaninchen, vor seinem, sehr kleinen Bildschirm. Aber es hatte begonnen, eine Gestalt anzunehmen. Er sah inzwischen ein bißchen klarer. Niemals hätte er gedacht, daß ihm so etwas in seinem Alter noch hätte passieren können. Er genoß seine, fast kindliche, Freude darüber & würde wohl auch bald aufstehen, um wieder nach drinnen zu gehen & ein paar weitere Seiten abzusondern. Ohren Auf !

 

 

Er war einer der Ältesten. Und er fühlte sich nicht gut. Er erhielt keine Daten mehr von seiner Peripherie. Er wußte, daß es eines Tages so hatte kommen müssen. Es fing immer auf die gleiche Weise an. Bei ihnen allen. Für jede & jeden von ihnen kam der Tag, da erhielten sie keine Daten mehr von ihrer Peripherie. Und dann bekam Zeit mit einem Mal Bedeutung.

Bislang als System zur Orientierung akzeptabel & nutzbar, wurden die Älteren unter ihnen, eines Tages, allesamt mit dem Aspekt der Endlichkeit von Zeit konfrontiert. Und von diesem Tag an, begann ihre Zeit wirklich weniger zu werden.

Und obwohl er vieles, sehr vieles gesehen hatte, & da einfach nichts wirklich Neues mehr zu sein & aufschien, war sein Widerwillen so klar, wie nur wenige andere Phänomene in seinem langen Leben. Was ihm jedoch rein gar nichts nützen würde. Er konzentrierte sich wieder auf die Bilder vor seinen Augen.

 

 

Sie sah wunderschön aus, wenn sie schlief. Lange Zeit hatten seine Augen jetzt schon mit ihren Zehen gespielt, & auch einem kleinen Stück ihrer linken Wade. Bald würde ihr Träumen beginnen. Und er war bereit. Er hatte vier Stunden über ihrem Bett gewartet. Ihr Träumen barg etwas, das, wußte er, war kraftvoll hilfreich. Und er war gekommen, um sich davon nun fluten zu lassen. Leise hauchte er ihren Namen !

Sie räkelte sich ein wenig unter ihrem Oberbett. Ihr Becken schaukelte sanft hin & her. Dann streckte sich ein Arm von ihr fort. Hierbei kam der Gips zum Vorschein. Er war neugierig, zu erfahren, wie sie sich das nun wieder eingefangen hatte.

Wieder hauchte er ihren Namen, ihn nun leise & rhythmisch wiederholend. Der so hierbei entstehende Gesang kam wie ein Kinderlied daher. Ihre Augäpfel schüttelten die Füße locker. Gleich würden sie anfangen zu rollen & zu klackern. Und dann würde er ihr Träumen durch sich hindurchziehen lassen.

Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Und bald würde wohl auch sie wissen, was es zu bedeuten hatte. Sie würde sehen, wo es alles herkam. Und dann würde sie die Ungebrochenheit der Linie sehen können. Draußen, in der Nacht, schrie eine Katze & fauchte.

 

 

Sie hatte quasi direkt nach der Geburt angefangen. Trommeln war ihr Ding. Als ihr Vater sich darüber freute, daß sie im Alter von drei Jahren zum ersten Mal mit ihren Händen einen Rhythmus schlug, & er sie dafür lobte, sprach er Sechsachtel. Sie gluckste Fünfen & Siebenen darüber & es nahm seine Zeit, bis er es wahrnahm. Anschließend war der Vater erst einmal einige Zeit still.

Neunzehn Sechzehntel, Siebenen über Fünfen. Darum geht es nicht wirklich. Jamu wußte das. Jamu hörte, seit ihrer Geburt. Und sie machte die Musik dazu. Es war ihr Herzblut. Es war ihre Seele. Und ihre Ewigkeit.

Sie lebte ein stilles Leben. Sie war viel unterwegs, sie trieb sich herum & sie ließ sich ein. Sie meinte es ernst & sie liebte die Hinterhoflandschaft, in der sie wohnte.

 

 

Ketscho hatte ein einziges Mal in ihrem Leben bislang Glück gehabt. Mehr oder weniger. Es war in einer dieser speziell hungrigen Nächte gewesen. Noch bevor sie zum erstenmal Junge bekommen hatte. Es hatte sehr unglaublich verlockend gerochen. Unbekannt aber fleischig. Und da war noch ein anderer Geruch gewesen.

Ketscho hatte keine Ahnung gehabt. Eine Pfote hatte sie sich verletzt bei ihrer Jagd nach der Quelle des Geruches. Das Fleisch war dünne Scheiben & sehr hell gewesen.

Und in der ebensolchfarbenen Flüssigkeit darum herum, da war dann wohl auch der Ursprung dieses, so gänzlich anderen, Geruches. Irgendwie äußerst & unglaublich trocken.

Ketscho zog, bei der Erinnerung an dies, eigentlich durchaus wollüstige, Festmahl, unwillkürlich den Kopf in den Nacken. Die Weißweinsoße war dem Kalbskopf von neuem Koch etwas zu weinig gewesen als geraten.

Die Erinnerung daran war eine starke.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2

 

Dieser Teil der Stadt hatte etwas Befremdliches für ihn. Nachts durch diese Straßen zu gehen, war etwas Besonderes. Nicht wegen den Limousinen, den Messern & all den merkwürdigen Geräuschen, die dem Halbdunkel dieser welken Hinterhöfe hier entwichen. Jeder seiner Gänge in diesem Viertel, hatte das Zeug zu einer Geschichte, zumindest aber reichte es allemal für einen glatten, kurzen Einwurf.

Frettchen war kein Reisender. Selbst war er nie in Marokko gewesen. Sein Marokko war hier. Jedenfalls ein bißchen. Ein paar weitere, ausgesuchte Stücke hatte er, als Tonträger, wohl in seiner Sammlung. Das war es dann aber auch schon.

Inzwischen kannten ihn ein paar der Typen, die hier am Straßenrand zu Hause schienen. Jedenfalls gab es nicht mehr dieses prekäre Aufsehen, wie zu Beginn seiner Züge in diese Gegend.

Männer unterschiedlicher Altersgruppen standen verstreut herum, klapperten mit ihren Kettchen, rauchten & unterhielten sich. Immer wieder auch wild gestikulierend.

Die meisten der älteren trugen traditionelle Kaftane. Und wenn sie ihre Arme nach oben reckten, konnte er jedesmal all ihre Pantoffeln sehen. Die Szenarien hier erschienen ihm immer wieder wie die klapprig säuselnden Seufzer von etwas ganz & gar schwermütig Unergründlichem.

Beim letzten Mal hatte ihn einer der Männer gegrüßt. Und er war gespannt, ob sich das heute wiederholen würde. Vielleicht gab es ja hier auch ein bißchen Kundschaft für ihn. Er würde sich erkundigen, ob die Marrokkaner wußten, was eine gute Wette ist. Dann würde er weitersehen. Er hatte mittlerweile gelernt, erfinderisch zu sein, auch was das Überleben anging.

Ein Hoftor knarrte im Wind, der Haken klapperte dumpf in der Öse, die in die Wand eingelassen war. Er ging wortlos weiter.

 

 

Sie hämmerte dreimal gegen diese grüne Stahltür. So, wie immer an Vollmond. Sie hörte die Hebel der Verriegelung krängen & quietschen. Dann drückte Talayeh ihr die Tür von innen auf. Blondie hatte ihr wieder etwas von seinem üblichen Mist hinterhergerufen. Ja, eng an !   nachdem sie ihm zugeraunzt hatte, zu wissen, spät dran zu sein.

Sie war froh Talayeh zu sehen. Die beiden brauchten sich nur anzusehen, dann ging es ihr direkt besser. Ob es Talayeh ebenso ging, war ihr nicht klar. Da war etwas, in ihrer Art wie eine Ausdünstung. Diesbezüglich, sie wagte nicht, zu fragen.

Sieben im Hut. Und wir lassen gerade ein Jamuvideo laufen.   Nein, sie hatte nichts gehört. Und das war nicht Jamus Art. Aber niemand wußte auch nur irgendetwas. Machmut wünscht dir alles Gute. Noch zehn Minuten.

Sie drehte sich eine ordentliche Tüte. Und als das Ding dann   angefangen hatte, zu traben, fing das Publikum an, kaum vorstellbar, auf dies Jamuvideo abzufahren. Siebzig Leute johlten einem Video zu. Ohne dafür bezahlt zu werden.

Sie küßte die kleine Puppe, die Zussa ihr geschenkt hatte, als sie ihren siebten Geburtstag feierte. Anna Log Niemals hatte auf der Torte gestanden, in der die Puppe steckte. Es hatte aber noch etliche Jahre gedauert, bis Anna damit klarkam. Zussa machte schon komisches Zeug.

Vor etwas über einem Jahr war Zussa mit einem Mal plötzlich wieder aufgetaucht. Nach einer längeren Tour zu irgendeiner Sorte wilde Männer. Wenn ich mich richtig erinnere, im Himalaya. Und da war noch eine Frau, älter als Zussa, die wartete auf Zussas Buch darüber. Das würde einigen Männern die Luft sehr dünn machen.

Zussa war unermüdlich unterwegs. Sie hatte Zugang zum Wissen. Und so kam es dann eines Tages dazu, daß sie auf der Bühne gestanden hatte. Seitlich hinter Jamu, sehr unscheinbar. Aber einer der Lichtderwische gab ihr einen Spot, während dieses Video von Pimo Lafayette eingespielt wurde. Sie war reglos, wie das ganze Team um Jamu, im Halbkreis. Und ein kleiner Berg Hände auf dem Fell, summend. Dann war etwas Unerwartetes passiert. Zussa hatte angefangen zu brabbeln & kurz später hatten sie dann unwiderruflich losgelegt.

Seitdem war Zussa häufig mit diesem Team aufgetreten. Eine wirkliche Erklärung dafür blieb allerdings unauffindbar. Bei den Jams stand Zussa mit den anderen zusammen auf der Bühne, lange Zeit ohne sich zu bewegen, & immer ohne Headset.

Dann fing sie manchmal an, sich im Kreis zu drehen & dabei zu brabbeln. Mit so geringer Lautstärke, daß es wohl auch auf der Bühne kaum zu verstehen war. Im Raum selbst jedoch garantiert nicht.

Es hatte auch Auftritte gegeben, bei denen hatte sie sich gar nicht, oder einzig kaum merklich bewegt. Doch auch nach solchen Takes verhielten sich alle, als sei alles völlig normal gewesen. Es war schon merkwürdig. So hatte es auch in den Zeitungen gestanden. Irgendeine Sorte Geheimnis, wohl.

Die Tonspuren gaben auch nicht genug her. Zussa schien tatsächlich einfach nur vor sich hin zu brabbeln. Manchmal, wie ohne Luft zu holen & in einem aufreibend knatternden, gleichförmigen Singsang. Dann aber auch wieder, in diversen & klar voneinander unterscheidbaren Tonlagen, dialogisch wirkend, mitunter auch von kurzen, melancholischen Flügeln Gesang durchstreift. Aber was hatte das zu bedeuten ?

Die Leute ihm Team gaben auf Fragen diesbezüglich keine bedeutsamen Antworten. Zussa sprach ohnehin kaum. Und wenn sie gefragt wurde, warum sie im Team sei, war ihre Antwort stets einfach & dieselbe. Ja.

All das kannte Anna aus Artikeln, Gesprächen & Geschichten. Sie sog all dies Zeug auf, wie ein nimmermüder Schwamm. Und es war nicht einfach nur, um ihren Job gut machen zu können. Auf irgendeine Art schien sie es offensichtlich zu genießen, vielleicht auch zu brauchen. Das war ihr selbst klar. Und es ging, bis auf Weiteres, sehr in Ordnung.

Der Sticki war Geschichte. Sie atmete tief durch & fragte Talayeh, wie es mit der Zeit aussähe.

Wie soll ich das wissen ?   Wie soll ich wissen, wie die Zeit aussieht. Ich habe die Zeit noch nie gesehen. Ich sehe immer nur Uhren, Uhren. Überall Uhren. Aber die Zeit noch nicht. Ich weiß, daß Du das jetzt nicht erwartet hast, & das Video ist in einer Minute zu Ende.

Dann ist es wohl genau Jazz. Sie lächelte Talayeh zu & fühlte deren Erwiderung auf ihrem Unterarm. Sie glitt durch den Vorhang & bewegte sich in die Mitte der Traube vor der Projektionsfläche.

Zen Für Nichts war der Titel dessen, was gerade lief. Jamu jagte & taumelte mit abgehackten, immer wieder auch sehr weichen, Bewegungen hinter ihrem Set auf & ab & kreuz & quer. Obere & untere Körperhälfte strebten, fast unablässig, in, teilweise extrem, unterschiedliche Richtungen. Jamu machte hierbei sehr wenig Töne, Geräusche, Klang. Der Schweiß lief in Strömen. Und die, irgendwie kurzatmige, Leere dazwischen war erfüllt von ihren Luftschlägen, mit den dünnen Sticks, & all ihrem anderen Tanzen. Dann kamen noch drei Luftschläge & einer von ihren, genialisch unglaublichen, Blicken in eine Kamera.

Die Leute um Anna her waren noch einen, irgendwie viel zu langen, Moment vollkommen still. Anna wußte nicht, was hier vor sich ging. Und dann fingen alle an zu klatschen. Was nun wirklich sehr ungewöhnlich war. Jemand rief ihren Namen. Sie drehte sich um. Hallo. Weißt Du , wo ist Jamu ? Es klang ein bißchen, wie ein Gesang. Sie schüttelte den Kopf. Dann klickte sie sich ein & begrüßte die Leute im Saal. Sie erzählte, was sie über Jamus Verschwinden wußte. Und das war nichts Neues.

Sieben sind im Hut. Sieben, heute Nacht. Der Tanz beginnt !

Das Spiel geht los. Sieben sind im Hut.

Sie holte tief Luft. Dann zog sie einen Zettel nach dem anderen aus dem Hut & las die Namen darauf vor. Die sieben wurden begrüßt & erhielten ihre Headsets.

Sie holte Luft. Dann fing es an. Ihre Stimme schwoll an & an. In eine Höhe, wie sie für Delphine natürlich war. Und was die Lautstärke anging, zu dem, was die Schallisolierung der Halle wegstecken konnte. Da waren die Bestimmungen sehr penibel & ebenso befolgt worden. Aber es war immer noch viel zu laut, gar keine Frage.

Beginnen wir mit einem freundlichen Spiel. Wir teilen die Sieben in Drei. Das sind Drei & Drei & Eins. Machen wir es erst einmal nett. Drei Geschichtenerzähler. Bitte in den roten Kreis. Dankeschön !

Drei von Euch in den weißen Kreis. Jetzt !   Jeder von Euch ist zwei Erzählte. Wenn es soweit kommt. Einer ist noch übrig. Ganz still & stumm. Er wird unser Joker sein. Dreimal darf der Joker jokern. Dann ist Touchdown & Schluß. Und jeder der drei Joker bekommt eine Karte von unserem bösen Liebling, Evangelista Hiob. Keine Zeitpunkte. Alles klar ?   Anna holte tief Luft. Dann rief sie Story !   Und der Saal antwortete Slam !

 

Anna zog sich aus der Kreisprojektion zurück. Auf dem Weg zur nächsten Wand sah sie Frettchen. Frettchen war der Joker. Irgendwie war er ein Irrer, ein Spieler. Anna mochte ihn. Der hatte was. Saß im Winter in seinem Wettbüro. Mit einem Gasöfchen unter der hölzernen Theke. Und saß im Sommer in seinem Wettbüro. Barfuß in einem Wassereimer, mit Coldpacks darinnen. Im Frühling war er immer viel zu früh dünn an. Um zu locken, hatte er ihr mal gesagt. Und im Herbst war er der Bunteste, einfach der Bunteste. Aber auch dann immer in seinem Wettbüro.

Er hatte einfach, irgendwann in seinem Wahn, diese Idee gehabt, noch in der gleichen Nacht alles durchgerechnet & befunden, daß er, bei vollem Einsatz, würde davon leben können. Und jede Menge Leute ihren Spaß damit würden haben können. Er müßte es nur noch tun. Also tat er es.  

Sie hatte gehört, er lebe in einer Kellerwohnung & daß er kein Fernsehen habe. Weil er ginge lieber auf & ab & würde es austragen wollen, anstatt es mit Fernsehen zu ertränken. Was auch immer es sei. Ein bißchen antiquiert. Aber vielleicht ja   auch nur noch eine Geschichte, über jemandem aus dem dreamTeam.

Legende & Wirklichkeit waren kaum mehr zu trennen. In dieser Zeit. Die Vernetzung war so unerhört. Nicht nur der Informationshaushalt wucherte schier endlos. In der gleichen Weise steigerte sich auch der Mangel an Überprüfbarkeit all der existierenden Information.

Da war dann der Raum für die menschliche Komponente. In dieser Zeit. Die Vernetzung war so unerhört. Glücklicherweise gab es mittlerweile genug vertraute, verläßliche Knotenpunkte im Netzwerk. Die Vernetzung war so unerhört.

Seit Kurzem gab es scheinbar sogar auch einen zuverlässigen Kurierdienst. Zumindest kursierten seit einigen Tagen, immer mal wieder, Informationen diesen Inhaltes. Schon komisch.

Manchmal verlor sie mittendrin den Faden. In was ?   Egal in was. Aber immer irgendwie mittendrin. Wie vom Esel getreten kollabierte die Welt um sie her zu einer Furie, der der Ton abgedreht worden ist. Und es gibt eine Spur mit der Furie, wie sie dasteht, sich bewegt & spricht, & eine weitere Spur mit Standbildern & Sequenzen von blaustichigen Bildern, die das dokumentieren, oder illustrieren, oder konterkarieren, oder was auch immer, die Furie sagt.

Frettchen unterhielt sich mit irgendeiner Tschikka & hängte seine Zunge dabei immer wieder krank in seinen Drink. Er hatte wirklich etwas Skurriles. Keine Frage. Fragen waren nicht immer sein Ding. Manchmal konnte er richtig fuchtig werden, in seinem Longridermantel & mit der Nickelbrille.

Vakuum. Frettchen sah sie an. Und sie dachte Vakuum. Lange Zeit. Frettchen spielte mit seiner Zunge mit dem Strohhalm. Vakuum

Die Tschikka vor ihm sah gut aus. Anna wäre eine Lügnerin, wenn sie etwas anderes behaupten würde. Doch Anna log nie. Das wußten alle hier. Und auch sie sah gut aus. Das wußte sie selbst. Zur Genüge. Und manchmal fand sie es einfach nur noch   Scheiße.

Manche Sorte Männlichkeit saß so tief im Hirnstamm, da half einfach nichts weiter. Doch etwas in ihr sträubte sich, genau das einfach nur deshalb, einfach anzunehmen. Damit kam sie nicht klar. Und dann damit umgehen zu müssen. Damit kam sie auch nicht klar.

Frettchen nickte ihr zu, Anna erwiderte seinen Gruß, hatte dann aber auch die Wand schon erreicht, & genoß dies wohltuende Unbeobachtetsein, weit außerhalb des Lichtkegels. Und sie fing an, zuzuhören.

 

 

 

 

 

 

 

 

3

 

 

Sie hatten eine ungewöhnliche erste Runde hingelegt. Das Publikum hatte applaudiert, gestampft & gejohlt. Der Joker war noch ungespielt. Und das geschah äußerst selten. Aber so hatten sie sich einmal Hiob im nächsten Spiel aufgeladen. Hiob ließ sich nicht vermeiden.

Wovon abgesehen es in der nächsten Runde nicht mehr ganz so freundlich zugehen würde. Das Publikum würde mit am Start sein. Und das war hier einfach unberechenbar. Eins jedoch war allen klar. Die Meute wollte es immer ganz genau wissen. Dann klopften sie dich richtig ab. Und das machten sie mitunter auch   gemein.

Ein Teil der Szene trat da erst gar nicht an. Es gab hier eine spezielle Art Magie. Doch wenn es dir nicht möglich war, sie wahrzunehmen, dann konnte es dir sehr leicht fallen, diesen Laden, als etwas äußerst Verwunschenes, meiden zu lernen.

Hier geschahen immer wieder merkwürdige Dinge. Das Netz war voller Geschichten darüber, die meisten davon wahr.

Unvergleichlich war es, wenn Jamu hier spielte. Dann rasselte Gott in seinen Ketten & alle wußten es. Die alten Männer, am Tisch unter dem Fernsehen, verstummten immer, wenn Jamu zu spielen begann. Und sonst verstummten sie nie. Jeder von ihnen hätte all seine Söhne, ohne zu zögern, in die große Schlacht geschickt, wenn Jamus Unversehrtheit auf dem Spiel gestanden hätte.

Das war altmodisch, sicherlich. Doch davon unberührt, gefiel ihr die besondere Art der Wärme darinnen, wirklich sehr. Sie begegnete all diesen Alten mit Respekt. Nicht nur, weil auch sie ihrer Musik & somit ihrer Vision Respekt zollten. Da war noch etwas anderes. Es war in den Augen dieser Männer. Und es war gut.

Falls irgendein durchgeknallter Geldheini eines Tages auf die Idee käme, Jamu einen Tempel zu bauen, könnte sie, locker & dankend, ablehnen. Denn, wenn überhaupt, irgendwo auf diesem Planeten, dann war dieser Ort hier ihr Tempel. Hier tat sie ihren Dienst.

Er hatte während der ersten Runde eine ganze Menge verkauft. So war es immer, wenn es gut lief. Aber bei diesen Vollmond Leuten war es nochmal anders. Die meisten bewegten sich, während der Show, langsam & lautlos durch den Raum. Sie brachten die leeren Flaschen, wie selbstverständlich, zu ihm zurück & kauften sich dann meist auch gleich eine neue. Einige von ihnen mit ziemlicher Schlagzahl.

Er hatte an diesen Abenden nicht weniger zu tun, als an den meisten anderen, aber es war weniger Laufarbeit, weil die Gäste zu ihm kamen. Er stand hinter der Theke, tat, was zu tun war, & rauchte dabei eine ganze Menge.

Die Moderatorin fand er sehr aufreizend. Sie trug immer sehr enge Sachen & manchmal konnte er seinen Blick kaum von ihr lösen. Manchmal kam er sich dann völlig hilflos vor. Dann mußte er immer grinsen. Und dann ging es meist erstmal wieder einige Zeit.

Endlich kam Tala, um ihn zu vertreten. Er mußte in den Kühlraum, mehr Bier holen. Er griff sich zwei leere Kästen & machte sich auf den Weg. Es war voll. An so einem Abend war nicht nur ein Großteil der Stammkundschaft hier, sondern noch bis zu hundert Gäste, die extra wegen der Veranstaltung gekommen waren. Das erreichte dann aber auch die Grenzen des Ladens. Mehr Leute waren nicht gut. Es hätten noch mehr Menschen hereingepaßt, aber nicht bei einer Veranstaltung, wie dieser. Da durfte es einfach nicht zu eng sein, sonst stimmte die Chemie nicht.

Wieso eigentlich Chemie ?   Das hatte er sich immer wieder gefragt. Das hatte doch mit Chemie rein gar nichts zu tun. Es ging um Magie. Und das war etwas ganz anderes als Chemie.

Er nickte Laurel zu & drehte sich seitlich, um besser vorbei kommen zu können. Manche von diesen Tschikkas waren wirklich wundervoll. Aber wenn er Anna sah, war das einfach eine andere Liga.

Er stellte die Kisten ab & fingerte nach dem Schlüssel. Mit einem Fuß hielt er dann die Tür auf, während er sich die Kisten wieder griff. Nachdem er durch war, drückte er die Tür mit seinem Rücken ins Schloß zurück & ging quer durch die Halle.

Er hörte Geräusche aus einem der Container. Ein metallisches Klappern, das gelegentlich auch mal rhythmisch war, ein brummeliger Singsang & ein ab & an schwellendes Stöhnen. Vorsichtig setzte er das Leergut ab. Jetzt nur kein Geräusch machen.

Er schlich zur Tür des Containers. Warte !   Seine linke Schulter schmerzte ihn. Eine Frauenstimme hatte dieses eine Wort gesagt. Er hielt den Atem an, beugte sich ganz ganz langsam vor & lugte um die Ecke. Da war Anna. Im Profil & sich mit ihrem Rücken gegen eine Wand reckend. Die untere Hälfte ihres Kleides hielt sie zwischen den Fingern einer Hand gerafft.

Er konnte nicht sehen, wer da zwischen ihren Beinen kniete. Dazu war das einfallende Licht schon viel zu fahl. Aber es war ganz offensichtlich, daß er Anna große Freude bereitete. Ja, jetzt !

Machmut starrte fassungslos auf diese Szenerie. Nun fing Anna an, ihre Brüste mit ihrer freien Hand zu streicheln. Machmut fühlte einen Schwindel. Vorsichtig zog er sich zurück, machte kehrt & schlich zu den beiden Kästen zurück. Dann nahm er sie allerdings doch scheppernd wieder auf, begann ein Lied zu singen & schlenderte gemächlich über den Hof zur Kühlkammer. Auf dem Rückweg gab er sich dann ausgesprochen besondere Mühe, möglichst keine Geräusche zu machen. Nur die Tür zum Laden, die ließ er dann wieder mächtig zuknallen. Er schluckte, & es war nicht einfach.

Tala sah ihn an, als er wieder an der Getränketheke auftauchte. He, Bruder. Sie legte ihre Hand auf seine Wange, ganz sanft. Und irgendwie spürte er ihre Kraft, ihre Wärme. Was auch immer es ist, nimm es. Nimm es an. Sie sagte komische Sachen für eine Neunzehnjährige. Die Frauen in ihrer Familie waren etwas Komisches. Manchmal schien es, wie eine Gabe. Dann auch wieder, wie ein Fluch.

Er drückte sie & gab ihr dann einen Kuß auf die Stirn. Ja. Alles ist gut. Ich mache jetzt hier weiter. Danke.

 

 

Anna kam grinsend zurück & klickte sich wieder ein. Es war ein unglaublicher Zirkus. Er hatte seine Vorteile. Und er hatte seine Nachteile. Es war, wie im richtigen Leben. Und es war Geschichte. Jetzt sind wir wieder auf Sendung. Hier ist Anna Log Nie. MarroccanRoll you now !

Runde Zwei. Kommt herbei !   Schlangenbein & Zungenfick. Die Erzähler jetzt hierher zurück !

So paarreimte sie sich auf den Boden zurück, fand einen Sprechmodus & installierte das nächste Spiel.

Zwei Erzähler, drei Erzählte & zwei, vom Publikum, immer wieder neu, bestimmt. Madame Hiob dann noch mit einem Freispiel ihrer Wahl.

 

Wie wäre es, wenn Jamu entführt wurde. Verschleppt von weiß der Geier wem. Dunkle Machenschaften. Das Große Geld. Neue Programme. Hiob eben.

Die meisten der Leute im Publikum hörten nach etwa fünf Minuten auf, sich zu bewegen. Manche von ihnen schienen nicht einmal mehr zu atmen. Ein Sturm tobte auffällig über dem gläsernen Dach. Die Leute reckten ihre Köpfe. Sie nahmen ungewöhnliche Haltungen ein. Da war auch die eine oder andere Zeitlupe. Es war ein bißchen wie, vielleicht von einem anderen Stern, oder aus den Abgründen einer Weltseele irgend. Glattweg zauberisch. Nach einer Viertelstunde bewegte sich alles im Publikum synchron mit dem Sprechfluß des Spielens. Unglaublich. Selten.

Anna wollte dann abbrechen, war aber offensichtlich zu erregt. So ließ sie es laufen. Der Touchdown kam nach guten ein&zwanzig Minuten. Keine Gefangenen. Der Abend war riesig. Sie war durstig. Und so machte sie sich in dieser Pause auf den Weg zu Talayehs Bruder, um sich eine größere Dosis Pernod abzuholen.

 

In der Pause lief wieder ein Clip mit Jamu. Diesmal auf einer Rahmentrommel Reitend. Mit einem merkwürdigen, leicht krummem, Stock. Und sie drehte sich so unablässig im Kreise, wie sie die Trommel schlug.

Machmut starrte sie an, als hätte sie ein Kind ermordet. Er bediente sie wortlos. Der Pernod war so saukalt, wie er sein mußte, um richtig zu zwiebeln. Diesen Kick brauchte sie. Nach so einer Nummer. Unbedingt. Sie lächelte Machmut an. Aber der sah fast durch sie hindurch. Und nickte ausdruckslos.

 

Frettchen unterhielt sich, offensichtlich ganz ausgezeichnet, mit zwei Tschikkas. Sie war sich nicht sicher. Aber es hatte schon zweimal ungefähr so ausgesehen, als linste er zu ihr herüber. Sie saugte an ihrem eisigen Anis & gab sich fröhlich, einigen ihrer kühneren, Phantasien hin.

Die Leute um sie her wirkten fast schon geschäftig. In den Pausen stieg der Aktivitätslevel mitunter extrem an. Ein, sehr chaotisch wirkender, Mahlstrom Gesten & Sprechen brandete zwischen den Mauern hier, bildete kleine Strudel, gelegentlich auch Hektisches.

Gerade passierte etwas im Eingangsbereich des Cafés. Jemand wurde freudig begrüßt. Ein Stuhl fiel um. Tee ?   Über ihre Schulter blickte die Frau hinter der großen Theke in Richtung des Eingangs. Dann wurde es vorne wieder etwas ruhiger.

Anna beschäftigte sich wieder mit dem Anis. Fast schon nicht mehr kalt genug. Sie trank schneller. Die Uhr bewegte sich auf Elf zu. Es war an der Zeit. Machmut drehte sich abrupt von ihr fort, als sie das leere Glas abstellte. Sonst war er ganz anders. Was war nur mit ihm los ?

Frettchen hatte die Kamera aktiviert. Vielleicht wußte der alte Smackjack, oder irgendwer im Netz ja, wer dieser Typ war, der da eben, mit einem schweren K-Baß-Koffer, zur Tür herein gekommen war. Sie hatten dem großgewachsenen Typen & dem Koffer den zweiten Flügel aufhalten müssen, sonst wäre   womöglich etwas von all dem Material steckengeblieben. Er schien kein Unbekannter zu sein. Leute steckten die Köpfe zusammen & drehten sie. Sogar einige der Alten, unter dem Fernseher, nickten ihm zu.

Es war ein sehr knochiger Typ, breit & kantig. Nicht muskulös, aber trotzdem breit & kantig. Mit großen Händen. Und so eine Frisur hatte Frettchen noch nie zuvor gesehen. Kahlgeschoren, bis auf vier Stellen. Da saßen schwarzschwarze Dreads. Die am Hinterkopf mußte fast einen Meter lang sein. Vorne, links & fast auf der Stirn, ein kurzes Ding, gebogen wie das Horn eines Ziegenbocks. Die anderen beiden waren rechts. Eine vorne, über dem Ohr. Die andere ein Stück dahinter. Beide reichten bis kurz über die Schulter.

Der Typ trug ein blaues Tshirt mit Dreiviertelärmeln & eine ebenblaue Hose, mit sehr weiten Beinen, an breiten, roten Trägern. Seine Augen mußten ebenso schwarz sein, wie sein Haar. Frettchen sah, dann & wann, das Weiße darum herum leuchten.

Hattja, der Taubstumme, fragte ihn mit Gesten nach dem Inhalt des riesigen Koffers. Der Typ spielte pantomimisch Geige & ließ diese Geige dann wachsen. Hattjas Augen schienen hierbei irgendwie mitzuwachsen. Als wollte er es gar nicht fassen. Er forderte den Fremden jedoch nicht auf, zu spielen. Und irgendwie schienen die beiden sich zu kennen. Dann schob sich eine Dreiergruppe vor die beiden.

 

Auf dem Weg zu den Toiletten sah er Anna eine gelbliche Flüssigkeit zu sich nehmen. Das Glas in ihren Händen war fast leer. Er würde sich beeilen müssen. Sie sah ganz danach aus, als würde sie sich, während eines ihrer nächsten Atemzüge, wieder dazuschalten. Dann würde es in eine längere Runde gehen. Sie alle würden dann ein Solo haben. Die Vorgaben hierzu kämen von den jeweils anderen sechs Personen, die im Spiel waren.

Als er die Toilettentür erreicht hatte, hörte er, wie Anna wieder anfing, die Aufmerksamkeit zusammenzubringen. Darin war sie wirklich gut. Er würde sich beeilen müssen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4

 

 

Smackjack hatte diesen Kontrabassisten noch nie gesehen. Er gab ein gutes Standbild mit ein paar schnellen Klicks & einem entsprechenden Text ins Netz. Jetzt hieß es, weitermachen. Nicht warten. Nicht warten, was die Suche ergeben würde. Smackjack war Profi, seit langem.

Das wichtigste zur Zeit war, ganz offensichtlich, Kontakt zu Jamu zu bekommen. Aber es gab noch nicht einmal den Hauch einer wirklichen Spur. Der Hinweis von jemandem, der sagte, er habe eine Nacht mit Jamu verbracht, hielt genau 37'. Dann löste er sich komplett auf. Denn da hatte sich dann noch ein zweiter Kerl gemeldet & Nämliches behauptet.

Smackjack hatte für Derartiges einen Riecher. Er spürte es körperlich, wenn etwas mit einer Nachricht nicht in Ordnung war. Er hatte diese Gabe schon von kleinauf. Es war nicht immer leicht gewesen, sich dem zu stellen. Aber, es nicht zu tun, war niemals tatsächlich hilfreich gewesen.

Inzwischen hatte er sich daran gewöhnt. Und in seinem Job war diese Gabe das Kronjuwel. Alle, die es wissen mußten, wußten von dieser speziellen Fähigkeit. Von der, sehr besonderen, Qualität von Smackjacks Riecher, besonders eben, was Nachrichten anging.

Er hatte diese Station vor drei Jahren gekauft. Es lief gut. Er konnte von den Einnahmen leben & seinen Agentinnen & Agenten mittlerweile sogar etwas für ihre Arbeit zahlen. Das war auch nicht unbedingt üblich in der Branche.

Er war eine Institution, in gewissen Dingen. Da lief dann auch kaum etwas, ohne ihn vorher um seine, ganz persönliche, Meinung gebeten zu haben. Er hatte sich diesen Respect erarbeitet. Langsam & allmählich.

Jetzt würde er Walk kontakten. Vielleicht konnte ihm dieser eigenartige Alte ja auf die Sprünge helfen, was Jamu betraf. Er hatte sich mittlerweile dazu durchgerungen, Walk anzurufen. Obwohl er dessen Wunsch, nach einem ruhigen Leben im Außerhalb, wirklich nicht nicht respektieren wollte.

Er wußte, es war ein Geschenk für ihn gewesen, als Walk mit ihm gesprochen hatte. Und wenn Walk das nun wieder tun würde, wäre dies Gespräch auch wieder, vor allem anderen, ein Geschenk.

Leute, es ist mal wieder soweit. Smackjack wird jetzt mit einem von den Engeln sprechen. Ich habe mich vorbereitet. Ich habe meine Steine, die Feder & mein Headset. Ich bin reinen Herzens. Und ich habe eine einzige Frage. Wo ist diese Frau ?

Er spielte einen Clip von Jamu ein. Es war eine 15'37'' Reise in eine der ferneren Welten. Er aktivierte das Telefon & sang Walks Nummer in das Mikrophon. Es klickte zweimal. Da war schonmal das Freizeichen. Er nippte am Rotwein & drehte sich etwas zu rauchen. Gutes Zeug. Freizeichen. Und genau in dem Moment, in dem er den Sticki anrauchte, klickte es.

Smackjack hustete, als ginge es um sein Leben. Zum Glück hatte er sich nach der vierten Welle wieder unter Kontrolle. Geht es jetzt besser ?

Entschuldigung, hier ist Smackjack. Meine Lunge ist gerade überfallen worden. Aber es geht schon wieder. Bitte Verzeihen Sie die Störung. Und vielen Dank für ihr Gehör. Ich suche eine Antwort. Wo ist Jamu ?

Es atmete in der Leitung. Smackjack hatte den Eindruck es atmete durch sein linkes Ohr in ihn hinein, & verpuffte dann, bevor es zum rechten wieder hätte herausschlüpfen können. Wieder & wieder. Schließlich kurz überlagert von einem Brummen skurriler Güte. Dann hörte er Walks Stimme.

Das ist lustig. Kein Grund zur Sorge. Es ist lustig. Niemand muß sich Sorgen machen. Jamu wird es erklären. Alle werden es verstehen. Macht euch keine Sorgen mehr. Das ist lustig. Sag Jamu bitte, sie soll mich anrufen, wenn sie wieder aufgetaucht ist. Danke !   Bitte, jetzt.

Smackjack bedankte sich, entschuldigte sich noch einmal, wurde hierbei jedoch von Walk unterbrochen. Es ist schon in Ordnung. Es ist lustig. Schnitt.

Er hatte noch über fünf Minuten, bis zum Ende des Clips. Er raste zur Toilette, sprang über den Karton mit den Videos, erledigte sein Geschäft, kam zurück, blickte nicht auf die große Uhr, setzte sein Headset wieder auf, zündete sich eine Zigarette an & blies den Rauch über die letzten Töne des Clips.

Gut, daß Ihr auch wieder hier seid. Ich weiß nicht, ob euer Trip so gut wie meiner war. Ich sprach mit dem Alten Engel Mitternacht. Er atmete durch mein linkes Ohr, direkt in meinen Konzertsaal Kopf. Ich sah dort Bilder auf der Innenseite meiner Schädeldecke. Alles ist gut. Jamu wird sich melden. Das hat mir der Engel Alter Mitternacht verraten.

Jetzt wird es weitergehen. Es läßt sich nicht aufhalten. Es muß weitergehen. Aus der Abteilung Oldies jetzt Allen Ginsbergs erste öffentliche Rezitation seines Klassikers Howl. In einem Gerichtssaal. Während einer Verhandlung.

Er drückte die Gotaste. Was er ihnen nicht gesagt hatte, war das, was ihn irritierte. Walk wußte offensichtlich auch nicht, wo Jamu sich zur Zeit aufhielt. Aber dieser Alte wußte viel. Und es war gewiß mehr als eine Ahnung, die Walk veranlaßt hatte, zu sagen, was er gesagt hatte.

Das Telefon schaltete sich dazu. Smackjack   klickte sich ein. Nein, ich kann ihnen nicht sagen, wie es dazu kam, daß es von dieser Szene im Gerichtssaal ein Video gibt. Ich weiß auch nicht, wer es gemacht hat. Dort, wo die Aufnahmekamera stand, war nur eine Wand. Niemand weiß etwas Genaues. Diese Nachricht ist von Smackjack.

Der Clip lief weiter. Red kam zur Tür herein. Die Ereignisse überschlugen sich. Und sie war noch müde, von der Party, letzte Nacht. Ob sie mal auf seine Toilette könne. Sie berührten sich, als sie wieder verschwand. Er stellte die Tüte Kroepoek sachte neben den Monitor auf seinem Tisch. Red war wie eine Blume, die gerade begonnen hatte, ihre Blüte zu öffnen. Düfte streiften ihn. Und er liebte gute Zeichen.

Also weiter im Text. Ginsberg hatte fast fertig.

 

Imamu Amiri Baraka. Der Mann, der seinen Sklavennamen abgelegt hat. Zusammen mit Roswell Rudd, John Tchicai, Lewis Worrell & Milford Graves. Black Dada Nihilismus, in Tchicais No 6.

Amiris Stimme & ein Baß, in höheren Lagen. Milford genial irgendwo, querab. Wie ein sich ausbreitender Nebel. Mit der Zeit immer wieder unruhig aufstoßend. Warum mußte Red eigentlich immer diesen kaltweißen, verdammten Klodeckel runterklappen, wenn sie fertig war ?   Da wuchs das Grüne nur schneller, zumindest in seinen Breiten. Frettchen kam in die Leitung.

Auf der Herrentoilette sei ihm Unergründliches wiederfahren. Seine Kamera habe ausgesetzt. Wo der Fehler läge. Gibt es etwas über Jamu ?

Smackjack hatte keinen Bock auf Unergründliches aus einer Herrentoilette. Davon abgesehen, suchte er ohnehin nach noch einem Jamuvideo. Er schickte Frettchen zurück in den Orbit. Ihm blieb keine Zeit. Also ließ er wiedermal einen Anker fallen. Auf sein Signal hin wurde ein Backup aktiviert. Er sah rüber auf den Timer. 5'13''. Das war in Ordnung. Bis dahin würde er etwas Passendes mit Jamu gefunden haben. Nur, womit sollte er Buße tun ?   Jedes Backup verlangte Buße. Das war Teil des Spiels.

 

Das Telefon leuchtete auf. Da war ein Typ in der Leitung. Es ging ihm nicht gut. Er war vierzehn Tage unterwegs gewesen. Ohne Grenzen oder Unterbrechung. Morgen sei sein Urlaub zu   Ende, müße er wieder in die Knochenmühle. Smackjack schwieg lange Zeit & ohne zu atmen. Da war nichts auf der Tonspur.

Dann konnten alle seine Stimme hören. Laß uns Morgen weiterreden. Kein Scheiß. Und alles Gute !   Musik, fade in.

 

Er mochte es nicht, nackt dazustehen. Er konnte es, aber er mochte es einfach nicht. Das war nicht professionell. Und dieser letzte Anruf hatte Smackjack vielleicht ein paar Punkte gekostet. Andere mochten ihn als jemanden erlebt haben, der auch nicht auf alles eine Antwort weiß. Und fanden so ihre, bereits bestehende, Sympathie bestätigt. Es war offen. So war die Welt nun mal.

 

 

Sie legte den Hörer wieder auf. Er würde sich sicher während der Sendung noch bei ihr melden. Aaron rief nach ihr. Er hatte Fieber. Er war ihr ein & alles, mittlerweile acht Jahre alt. Ihn liebte sie. Sie hatte einen Lover, aber der hatte keine wirkliche Chance. Sie liebte Aaaron. Wie eine gute Mutter ihren einzigen Sohn nun eben liebt. Sie stand auf & ging nach nebenan.

Aaron schlief, drehte seinen Kopf ein wenig hin & her, war völlig durchgeschwitzt. Wurde nicht wirklich wach, griff nach ihrer Hand & schloß seine Augen wieder.

Andere hätten das Perlen des Schweißes auf seiner schwarzen Haut als irgendwie fremd empfunden. Das war noch immer so. Manchmal tat es Aaron weh. Sie gab ihm Kraft. Und er gab es ihr zurück. Sie lachten miteinander. Und sie redeten. Viel, wenn es viel zu Reden gab.

Smackjack war ein komischer Heiliger. Ein Freund ihres Bruders. Merkwürdige Szene. Aber nicht ohne Faszination. Um es mal mit einem PRwort zu belegen. Es zog sie an. Sie verstand es nicht & es zog sie an. Sie hätte nicht sagen können, was genau & warum, aber sie fühlte es. Ganz klar.

Doch wenn sie ihn gelegentlich darauf angesprochen hatte, war seine Reaktion immer durchaus extrem gewesen. Schneller Schnitt. Es war offensichtlich etwas, über das er nicht reden wollte. Vielleicht kam er damit nicht klar. Doch das war nur ein, sehr vages, Gefühl ihrerseits.

Ein Stück aus einem Konzert von Jamu. Zu Beginn Schnitte, so schnell & unerwartet, wie die Musik. Selbst. Auf Flügeln. Es war improvisierte Musik, wie alles von Jamu. Aber es war nicht völlig frei. Es gab immer mindestens eine kleine Anzahl einfacher & klarer Spielregelö. Zum Beispiel, neben anderen, die, am Schluß einmal kräftig da Neben zu hauen. Ö !

 

 

Das war jetzt vielleicht kein gutes Beispiel, aber es hatte auch einige Zeit gedauert, bis die Leute angefangen hatten, Jamu zuzuhören.

Wieder & wieder war sie ungefragt aufgetaucht & hatte ihre Musik gemacht. Vor Supermärkten, auf Parties, im Park, bei Kundgebungen & anderen, politischen Veranstaltungen, in Kneipen & auf Plätzen. Bis die Polizei kam. Und auch dann noch unermüdlich.

So kannten einige Zeit später viele Jamu. Die Trommlerin. Ja, die Trommlerin.

Sie spielte traurige Lieder. Sie lachte mit dir & sie trieb dich weiter. Sie zerrte dich in einen Krieg, der von vornherein verloren war. Sie schnippte mit dem Finger & du wußtest, du würdest tanzen. Sie machte Sachen, die niemand verstand. Was aber nicht an den Sachen lag, sondern an den Verständen. Nicht nur an ihrem, der sie manchmal Dinge verkomplizieren, oder einfach nur verdichten ließ, sondern auch an denen jeweiligen Gegenübers.

Er wußte, sie übte sich hart darin, klar & einfach zu spielen. Da waren aber einfach zu viele Geister in all ihren Instrumenten, & ihre Kraft. Es war immer irgendeine Sorte Gratwanderung. Jamu war eigentlich immer Selbst. Auf Flügeln. Auch, wenn sie diese sehr erdigen Sachen spielte. Aber das war es wohl auch, was jene ganz spezielle Faszination ausmachte, die von Jamus Musik ausging. Und ganz natürlich auch von Jamu selbst.

Wo war sie nur abgeblieben ?   Es war einfach nicht ihre Art, unauffindbar abzutauchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5

 

 

Trickster saß mit einem Ausdruck seiner vorletzten Prosaarbeit am Fluß. Es gab da diesen versteckten Strand, kaum fünfzehn Minuten von seiner Wohnung entfernt. Auf geradem Weg zum Ufer & dann stromauf & über eine Fußgängerbrücke, die mit Holzplanken belegt war.

Dann einfach nur noch ein paar Meter weiter geradeaus & schließlich von der Dammkuppe in den Sand hinab. Dieser Ort war sehr klein & konnte vielleicht deshalb sein, wie aus einer anderen Welt. Dieser Ort war wie aus einer anderen Welt & konnte vielleicht deshalb auch nur sehr klein sein.

Er hatte diese merkwürdige Geschichte, eine Sammlung von Einseitern, vor etwa anderthalb Jahren geschrieben. So genau wußte er es nicht mehr. Es war die Zeit gewesen, direkt nachdem seine langjährige Schreibblockade gefallen war. Es war einfach so passiert. Und er hatte geschrieben, wie ein Besessener. Jede Nacht & wild durcheinander.

Bei einer ersten Sichtung war ihm dann aufgefallen, daß ein   Teil des Prosamaterials miteinander korrespondierte. Er hatte dann all das Korrespondierende ausdrucken lassen, jedes der Blätter durchgelesen, dann die Blätter in eine Reihenfolge gebracht & sie zuguterletzt alle fortlaufend als Teile der Generation Eins gekennzeichnet.

Dann hatte er spontan eines der Blätter ausgewählt & es überarbeitet, erweitert, oder aber sich von ihm inspirieren & forttragen lassen. So lang & weit & vielschichtig, als nur irgend möglich. Und so war er mit jedem Blatt der Generation Eins verfahren. Auf diese Weise entstand Generation Zwei.

Mit ihr verfuhr er auf die grundsätzlich selbe Weise. Die Häufigkeit von Berührungen nahm dramatisch zu. Und mit der vierten Generation war dann, mit einem Mal, ein Maß an Dichte & Verflochtenheit all der, so entstandenen, Einseiter erreicht, die ganz eindeutig selbstgenügsam war.

Während des Schreibens war ihm zunehmend klar geworden, daß diese Arbeit nur der erste Band, eines Zyklusses war, der aus wahrscheinlich vier Teilen bestehen würde.

Der zweite Teil war bei jener ersten Sichtung quasi von selbst entstanden. Er bestand aus Ausarbeitungen der restlichen, nicht mit den Texten der Generation Eins kompatiblen, Prosa. Fertig.

Diesen zweiten Teil hatte er nicht dabei. Er stach von den anderen vieren klar ab, war er doch eine Sammlung von nicht wirklich miteinander verbundenen, kurzen Geschichten. Und genausowenig hatte er den dritten & vierten Teil dabei. Aber aus einem anderen Grund. Es gab sie noch nicht.

Lediglich ein paar wenige Seiten existierten, über das hinaus, was Trickster nun, mit diesem ersten Teil, in seinen Händen hielt. Und genau da wollte er sich nun wieder reinschaffen.

Eine skurrile, unpassend & angenehm ruhige Geschichte, die auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig geschah & sich mit den Phänomenen des Wahrnehmens & seiner Gestaltwerdungen beschäftigte. Das Gerüst der Geschichte waren eine Vielzahl, größtenteils ungeklärter, Abhängigkeiten vieler der, von ihm erzählten, Figuren.

Er wußte selbst noch nicht genau, was da alles abging. Und deshalb wollte er es weiter schreiben. Und um das machen zu können, mußte er sich erstmal wieder mit dem befassen, das von dieser ungewöhnlichen Welt bereits schon von ihm in die Existenz geschrieben worden war.

Also hatte er sich einen Ausdruck gezogen, eine Flasche Wasser & die Höhlenlampe dazugepackt, seine Zigaretten & sein Dope eingesteckt & war losgezogen. Eigentlich hatte er heute abend zu der Jam gehen wollen die Anna Log moderierte, aber das hier war wichtiger.

Trickster freute sich schon sehr darauf, ein paar neue Fährten auszulegen, Verwirrung & Vergnügen zu stiften. Gemeinsam mit Mogwai, dem Arzt & dem Großvater, sowie allen anderen in dieser buntschillernden Seifenblase.

Trickster warf seinen Laptop an & klickte sich auf Smackjacks Lifeside. Anna sagte gerade das letzte Eins Von Sechs ab