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Sie hatte mal wieder den Blues. Ihr Fell war ziemlich stumpf. Ein
älterer Fischkopf war das einzige in ihrem kargen Magen. Und dieser
Fischkopf hatte, vor etlichen Stunden schon, begonnen, sich
aufzulösen. Entsprechend viel Raum blieb da dem Knurren übrig.
Ketscho hielt inne als diese, durchaus merkwürdige, Gestalt in ihrem
Blickfeld auftauchte. Die Art der Bewegungen dieses Zweibeiners hatte
etwas durchaus Vertrautes, obwohl immer wieder auch überaus
Fremdartiges hervortrat. Aber die Entfernung war groß & des
Zweibeiners Bewegungen langsam genug. Es bestand keine Gefahr.
Regenwasser gluckerte in einem Gulli.
Sie trottete weiter, ihrem Schlafplatz zu. Bei dem Pegel von
Geräuschen, der ihrem Magen mittlerweile entdrang, war an
erfolgreichen Beutefang ohnehin nicht mehr zu denken. Und nach etwas
anderem stand ihr nicht der Sinn.
Ketschos Nase hatte bereits innigst zu träumen begonnen. Nicht von
diesen ewig gleichen Resten & Abfällen, nach denen zu suchen, mit
jeder neuen Generation Mitesser, immer langwieriger & aufreibender
wurde. Wohl aber von Mäusen, Vogeleiern in Bodennähe & ein bißchen
auch von einem Karnickel.
Diese Ausdehnung nahezu völliger Stille war ihm auf das Äußerste
erhaben. Immer wieder, in all ihren Farben & all ihrem Grau. Jedes
einzelne Mal war es ihm neuerlich wie unglaublich. Geräusche oder
Bewegungen existierten, wenn überhaupt, hier nur sehr vereinzelt.
Vielleicht eine Katze & die Klänge ihrer Nahrungssuche. Oder das
Klappern von Etwas in einem Wind. Hauch. Wie kurze Begrenztheiten in
der Kraft einer Weite.
Diese Stille faszinierte ihn. Ein ungemein fein gesponnenes, fragil
& auf ihn sehr besonderes wirkendes Bermudadreieck,
zyklisch
wiederkehrend, einherwandernd mit den täglichen Drehungen dieses
Planeten um sich selbst. Im Kielwasser das Zwielicht eines jeden neuen
Tages.
Sich nun diesen
letzten Momenten Nacht zu öffnen, weit zu öffnen,
dieser wahrhaftigen Ruhe
& auch der scheuen Illusion von
Grenzenlosigkeit darinnen, war ihm, immer
wieder neu, Labsal &
Refugium
Das Netzwerk säuselte
& brummte. Mancherorts begannen die
Arbeitsgeräusche von Kaffeemaschinen
schwerem Atmen, wie auch
verzagendem Seufzen, mehr & mehr zu ähneln. Jamu
war überfällig.
Seit ein paar Tagen schien sie verschwunden. Was ja
eigentlich nicht
ungewöhnlich war. Doch dieses Mal schien es irgendwie anders
zu
sein.
Niemand hatte sie an
einem der üblichen Plätze gesehen. Und
irgendjemand hatte bisher immer
gewußt, wo Jamu steckte, oder wann sie
wieder zurück sein würde. Aber dieses
Mal konnten auch die, die es
hätten wissen müssen, nicht sagen, wo sie
abgeblieben war.
Da waren zwar einige
Nachrichten von ihr angekommen. Doch da hatte
ganz offensichtlich irgendetwas
nicht gestimmt. Die verschiedenen
Absendeorte waren allesamt viel zu weit
voneinander entfernt. Völlig
unmöglich, egal mit welchen Verkehrsmitteln.
Irgendetwas stimmte
nicht. So viel schien fest zu stehen.
Sie hatten es bis ins
Finale geschafft. Nichts wirklich Besonderes.
Und ein gutes Gefühl. Und noch
dreimal wirklich gute sieben Minuten
hingelegt. Dann hatten sie verloren. Es
war einfach passiert. Ohne
auch nur irgendwie verstanden zu sein. Der heitere
Himmel. Ein leerer
Kühlschrank. Die Garnele auf dem türkisfarbenen Einrad.
Eine blanke
Klinge. Etwas in der Art.
Diesen letzten Take
waren sie, im Anschluß & an der frischen Luft,
wieder & wieder
durchgegangen. Sie hatten keinerlei Chance gehabt.
Als Frettchen den Mund,
irgendwann im Vierten, geöffnet hatte, war es
einfach aus gewesen. Absturz.
Vakuum.
Sie alle würden es
wohl immer wieder genau auf diese Art & Weise
tun. Es war ja auch gut
gewesen. Sie hatten es ganz deutlich gefühlt.
Bis zu diesem Punkt. Und dann
war das Unerwartete geschehen. Ohne den
Hauch einer Möglichkeit, es
aufzuhalten.
Sie drehte sich, all
ihr Brüten hindurch. In wieder einer
Nachmittagssonne. Taumeling, Taumeling.
Etwas hatte sie geküßt, bei
ihrem letzten Besuch in diesem Café UnGlaubMich,
ganze zwei Blocks von
ihrer Wohnung entfernt. Die jungen, zumeist
griechischen, Kellner
waren gelassen & freundlich gewesen. Wie fast jeden
Tag.
Martha hatte ihrem
Kleinen die Brust gegeben. Und schrieb
währenddessen einen, subtil
interessanten, durch & durch
verträumten Brief. In Ermangelung von
offenkundig Wichtigem, das
niederzuschreiben möglich gewesen wäre, hatte sie
sich treiben lassen,
den süßen Fratz immer wieder ausgiebig beobachtet. Die
Geräusche, die
er an ihrer Brust machte, hatten sanft & beruhigend
gewirkt.
Als sich ihr,
melancholisch umherschweifender, Blick dann ein weiteres
Mal tief in den
Sonnenblumen
verloren gab, war es passiert.
Etwas hatte sie geküßt. Den Brief anschließend
weiterzuschreiben,
hatte nicht geholfen. Nicht wirklich.
Kurz darauf war der
Kleine dann auch tatsächlich satt gewesen. So
hatte sie alles
zusammengerafft, bezahlt, den Kleinen auf & ihr
Bündel über die Schulter
genommen & war weiter ihres Weges
gegangen.
Gut hatte es getan,
Martha mit dem Kleinen zu beobachten, durch die
Gardinen hindurch, unbemerkt.
Da war diese, kaum faßbare, Leichtigkeit
wieder gewesen. Eine solche
Leichtigkeit, die sie selbst niemals
wirklich empfunden hatte, wohl noch
jemals würde empfinden
können.
Sie zu Sprechen war
machbar, aber es war einfach nicht ihr Ding, es
selbst & tatsächlich zu
sein. Völlig gleichgültig, wie oft sie die
beiden auch noch würde beobachten
können. Das wußte sie nur zu
genau.
Es war einfach
passiert. Kein Grund zur Schande, keinerlei Verzweifeln
angemessen. Es hätte
jedes Team treffen können, gar keine Frage.
Frettchen fraglos unschuldig.
Es war eins von diesen
elenden Dammnissen gewesen. Diese Art, die
einfach nicht auszumerzen geht.
Die sich immer wieder ereignen werden,
bis ans Ende aller Zeit. Weil sie, in
spontaner Gleichzeitigkeit von
einander gänzlich Unbekannten, einfach nicht
nicht passieren
können.
Aber es war wohl auch
zum Heulen, gar kein Zweifel. Im Griff hatte er
sich noch nicht wieder ganz.
Und auch das war in Ordnung so.
Zur Zeit genoß er die
Sprachlosigkeit in diesen Stunden vor dem
Morgengrauen. Sie war ihm schon
immer ein wertvolles Geschenk gewesen,
offenkundig & wahrhaft. Gänzlich
anders als all die, divers
verschiedenen, Erscheinungsformen Sprachlosigkeit
im Alltag, oder auch
während der Wettbewerbe.
Dieser Zweibeiner auf
dem Gehweg hatte etwas zunehmend Fatales. An
einem seiner Handgelenke baumelte
eine viereckige Plastikflasche. Die
war fast leer, zuckte mit den schnellen,
minimalen Bewegungen der Hand
her & hin. Seit Kurzem waren die
Gesichtszüge des Zweibeiners
irgendwie unerklärlich lau. In einem, asiatisch
anmutendem, fernen
Lächeln nahezu ruhiggestellt. Und nun sprach er sich
langsam & im
Kreis herum.
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Jedes einzelne Mal war
neuerlich, unglaublich & türkis. Wieder
einmal führte sein Kopf sich
äußerst launisch auf, & so auch ihn.
Sein Kopf führte auch ihn launisch
auf.
Sprechen war eine
Kraft. Sein Sprechen war eine Kraft. Dem vertraute er, dem
gab er sich
hin &deshalb war er dabei. Deshalb war er in diesem Team. Und
deshalb war er, der er war.
Er hatte gelernt,
nicht zu viele Fragen zu stellen. Das war wohl nicht
sein Weg. Über die
Tradition wußte er zugegeben wenig. Aufmerksam war
er. Wovon ihn die
Reaktionen anderer immer wieder überzeugten. Die
Radien seines Wahrnehmens
waren offenkundig weiter, als es die Regel
war. Er konnte andere immer wieder
damit überraschen.
Mit der
Geschwindigkeit, in der sein Geist in bestimmten Bereichen
arbeitete.
Schnelles Kopfrechnen war da wohl lediglich eins der
kleineren Übel. Ein Teil
der Kraft war in ihm.
Bis zu seinem
vierzehnten Lebensjahr hatte es gedauert. Dann waren die
vielfältigen
Wirrungen, Unverständnisse & etlich Merkwürdigeres
noch, mit einem Mal
sehr fordernd & auch klar geworden. Eins war
zum anderen gekommen &
er hatte angefangen, mit dem Wort zu
arbeiten.
Es hatte gedauert, bis
er seine Gemächlichkeit annähernd ergründet
hatte, bis er sie hatte umarmen
& dann auch tatsächlich hatte
annehmen können, gänzlich haderlos.
Der zentrale Knochen
dieser Gemächlichkeit war sein Vermögen zu
Beharren. Das war nicht unbedingt
zeitgemäß, jedoch sehr erdig. Und
bei Bedarf konnte er ohne Zagen &
Zaudern um Etliches schneller
sein, als die meisten Zuhörenden es
nachzuvollziehen in der Lage
waren. Daran arbeitete er. Balance war, wonach
er suchte.
Ganz unvergleichlich
war sein Vermögen, auf der Stelle zu tanzen. Ein
Stück Holzdiele als Anstoß,
Inspiration, Anker & formgebendes
Element, zum Beispiel, für unglaublich
& bislang Ungehörtes,
Ungesagtes.
Seine Openings waren,
für die anderen im Team, immerzu verläßliche
Eingänge. Das lag jedoch nicht
nur an ihm, sondern auch an einer
besonderen Qualität der anderen in diesem
Team.
Gagga San sagte, das
wäre, weil sie alle von einem Stamm seien. Zussa
grinste immer nur wortlos,
wenn es darauf zu sprechen kam. Und meist
sah sie dann ihn dabei an, nicht
Gagga. Geschlossenen Auges.
Er konnte Räume öffnen,
wie kaum jemand sonst. Aber das hatte, bei der
letzten Jam zumindest, rein
gar nichts genutzt. Sie hatten
verloren.
Für das Publikum
hatten seine Openings allesamt etwas völlig
Unglaubliches, leuchteten
buntschillernde Sturzflüge hirneinwärts. Das
Land zwischen den Ohren &
hinter den Augen. Offene Weite. Ohne
Netz & ohne Furcht. Manchmal tanzten
die Leute sogar. Und das
nicht nur, wenn Jamu mit im Spiel war.
Wenn man sich dem
richtig öffnete, konnte man es schmecken. Oder
sehen. Das war etwas. Wie eine
langsame Variante Jilali-Musik. Oder
der Beginn eines Tanzens Derwische.
Er kam immer von sehr
weit draußen her, doch das bekam das Publikum
nicht unbedingt mit. Er hatte
ein paar Tricks, eingetretene Pfade,
Wiedererkennbarkeiten. Soweit hatte er
sich auf das Geschäftliche
eingelassen. Und Interviews, welcher Art auch
immer, gab er einfach
nicht. Er zog Geheimnisse vor. Mutter sagt nichts.
Und so, wie seine
Openings die Qualität besaßen, fast atemloses
Zuhören zu induzieren, hatten
sie alle ihre Stärken. Schwächen auch.
Keine Frage & auch kein Thema.
Als das Los
entschieden hatte, war sein Start glatt & nach nur
zwei Sekunden
gekommen. Das war die Zeit seines Einatmens, nicht mehr.
Wenn er mit dem Team
auf der Bühne stand, war alles andere egal. Wenn
seine Zeit kam, war es seine
Zeit. Und dieser Take hatte gut begonnen.
Nachdem sie es versemmelt hatten,
waren einige Leute gekommen &
hatten gesagt, es sei tatsächlich für die
Galerie gewesen. Bis zu dem
Moment, als Frettchen loslegte.
Irgendetwas war da
völlig schief gegangen. Keine Chance & kein
Sinn darin, noch herausfinden
zu wollen, wo die letzte Verantwortung
für den Kickoff denn nun gelegen
hatte. Sie hatten verloren.
Nadohry Rrep & der
NidaLap waren zwei wirklich merkwürdige,
nebulöse Gestalten. Legenden. Allein
schon, weil sie ziemlich alte
Säcke waren. Und mit der Maschinerie in ihren
Rücken auch überhaupt
nicht verwunderlich.
Rrep hatte etwas
Ewiges & der NidaLap war ein Unikum. Der
Überlieferung nach eine Einheit
von sechs Wesen & auch ein
großartiger Kämpfer. Er war allerdings eine
Nachbildung, er war nicht
das Original. Doch davon wußten nurmehr sehr
wenige.
Nichtsdestotrotz waren
die beiden immer im Orbit. Man mußte mit ihnen
rechnen.
Manchmal überkam ihn
das Gefühl, die Szene sei ein Tollhaus der
überaus besonderen Art. Er hatte
jedoch auch immer wieder wirklich
gute Tage.
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Diese merkwürdige Frau
hatte mein Taxi bestiegen. Und ich kann euch
sagen, sie bestieg es wirklich.
Aber
das ist nun doch eine
ziemlich andere Geschichte. Sie war betrunken &
egal, was ich
fragte, sie erklärte immer nur, sie befände sich in einem,
wirklich
ungewöhnlichen, Zustand gar schwerer Ernsthaftigkeit. Und, daß ich
sie
nach Hause fahren solle.
Gut, sie war wirklich
hübsch, aber es war nicht so einfach, sie nach
Hause zu fahren. Das könnt ihr
mir glauben. Sie schien betrübt. Nicht
nur der Haifisch, der hat Zähne, &
die trägt er mit Gewicht
!
Ich könnte jetzt
weitererzählen. Von der Begegnung mit der Guardia,
oder ihrem weißen
Spitzenhöschen, von dem Typen auf der Brücke, die
ich unterfuhr, oder dem,
was in ihrem Treppenhaus geschah. Aber ich
bin ein Kavalier alter Schule.
Als wir vor einer
Wohnungstür standen, zu der sie dann tatsächlich
auch einen Schlüssel hatte,
gab es plötzlich eine Veränderung. Für
einen, irgendwie zu langen, Moment
bewegte sie sich überhaupt nicht
mehr. Ich wußte nicht, wohin zu gucken. Es
war, als stünde ihre Zeit
still.
Als sie sich wieder
bewegte, tat sie dies wie eine andere. Also die
Art ihres Bewegens
unterschied sich irgendwie komplett von der, die
sie vorher gezeigt hatte.
Dann drehte sie sich
zu mir um & sagte, sie würde mir ein Gedicht
schreiben. Ich hatte keine
Ahnung,
was sie damit sagen wollte.
Auf dem Weg zum Fahrstuhl hörte ich gelindes
Rumoren. Dem folgte,
während ich auf den Fahrstuhl wartete, ein kurzkräftiges
Poltern &
Scheppern. Und bevor sich die Fahrstuhltür hinter mir schloß,
vernahm
ich noch leicht hysterisches Fluchen.
Das kommt übrigens von
der Gebärmutter. Hysteria ist griechisch
Gebärmutter. Als gäbe es keine
hysterischen Männer.
Ketscho putzte sich
gelangweilt. Dann wollte sie aufstehen. Aber das
klappte noch immer nicht.
Nachdem sie das Karnickel verspeist hatte,
war es ihr gerade eben noch
gelungen, sich vor den Fernseher zu
schleppen &, im Fallen, die
Fernbedienung blitzschnell zu
krallen.
Katzenfernsehen war
mittlerweile auch schon wieder etliche Jahre auf
dem Markt. Ketscho verfolgte
bevorzugt die Nachrichten- &
Magazinsendungen regelmäßig. Besonders
Flutkatastrophen beunruhigten
sie sehr, aber auch die Lage im Nahen Osten.
Die Erinnerung an die
Autofahrt wurde rapide blasser. Nach dem
nächsten Glas würde es wohl erst
einmal damit vorbei sein. Eines Tages
würde sie vielleicht eine Geschichte,
eine Erzählung schreiben. Das
Unergründliche Nu. Abgesehen von diesem Titel
war da allerdings noch
nicht sehr viel, abgesehen von jeder Menge möglichen
Materials.
Eines Tages würde sie
das Skelett dieser Geschichte sehen können. Dann
auch würde es, absehbar
bald, soweit sein. Jeder Tanz mit einem dieser
Skelette war ein anderer. So
viel war ihr inzwischen glasklar. Der
Rotwein war trocken & gut. Eine
gute Geschichte sollte wohl ebenso
sein. Das war zumindest ihre Überzeugung.
Gagga San hatte den
Rest der Nacht durchgetanzt. Ohne Gefangene zu
machen. Zwei oder drei der
Tschikkas hatten ihm zwar ausgesprochen gut
gefallen. Aber sich nach einem,
solch subtil skurrilen, Debakel
wirklich auf eine Frau einzulassen, war noch
nie gut gekommen. Das war
ihm, mehr als einmal zuviel, so ergangen & also
hatte er diesmal
die Finger davon gelassen.
Und zuguterletzt war
er auch noch von der Brücke gesprungen. Zum
Zwecke endgültiger Abkühlung. In
voller Montur, aber das war ja bei
ihm lohengrin nie viel.
Klatschnaß &
wieder einigermaßen klar im Schädel war er den Rest
des Weges gegangen.
Glücklicherweise war er noch vor Anbruch der
Dämmerung zu Hause & mit dem
Kopf unter der Bettdecke gewesen.
Alles andere hätte ihm Unglück bedeutet.
Oft war die
Schlußsequenz seine. Er war die Erde. Sie konnten allemal
all ihre Schleifen
fliegen. Frettchen, an guten Tagen, hätte auch aus
einem Physikbuch
memorieren können. Kein Problem. Wenn sie gut
beieinander waren.
Er konnte all ihre Schleifen
wieder zusammenbinden. Er konnte es immer
sehen, in diesem schwarzen Raum
zwischen seinen Ohren. Und dann war es
eigentlich kein Problem mehr für ihn,
sie alle noch einmal ihre
schillernden Flügel schütteln zu lassen. Beim
Touchdown.
Sie ließ die Lamelle
der Jalousie behutsam in ihre ursprüngliche Lage
zurückgleiten & wendete
sich wieder der Mitte des Raumes
zu.
Seit vier oder fünf
Tagen schien Jamu nicht mehr gegenüber, in ihrem
Lieblingscafé, aufgetaucht
zu sein. Sie hatte sich diesbezüglich auch
schon bei vielen vom Personal
erkundigt. Nichts. Niemand hatte sie
gesehen.
Jamu war fraglos eine
gute Schwimmerin, sie konnte problemlos auch
mehrere Tage abgetaucht bleiben,
doch diesmal hatte sich bei ihr ein,
fast schon prekär, ungutes Gefühl
eingeschliffen.
So hatte sie viel Zeit
am Fenster ihres Studios verbracht, mitten in
ihrer Arbeit. Und noch kein
Ende abzusehen. Das Basismaterial war
dürftig. Wieder & wieder hatte sie
sich mit dem Wenigen
beschäftigt, das ihr zur Verfügung stand. Das Bild war
noch
lange nicht klar. Da waren einfach noch zu viele Nebelungen übrig.
Bei diesem Projekt
Vollständigkeit zu erreichen, schien völlig
unmöglich. Sich damit abzufinden,
keine Vollständigkeit erreichen zu
können, barg jedoch noch ein gänzlich
anderes Problem in sich. Da
waren einfach noch zu viele Nebelungen übrig. Und
wo war Jamu ?
Wie immer an Samstagen
beherrschte auch an diesem Tag & wie üblich
schon seit dem frühen Morgen,
geschäftiges Treiben den Platz Der Toten
Lektoren. Auf die Rückwand eines
Parkhauses waren Projektionen
geworfen. Fotos von all denen, die inzwischen
doch aufgegeben
hatten.
Die Fläche war fast
vollkommen bedeckt & bald würden sie die
ersten Fotos herausfallen lassen
müssen. Einfach weil diese
schmuddelige Parkhausrückwand nun doch nicht mehr
groß genug
war.
Frettchen saß am
Wettschalter seines Busses. Er war noch nicht im
Traum dazu gekommen, die
heutigen Einnahmen zu zählen. Zu
ununterbrochen war der Strom seiner
Kundschaft. Das Geschäft brummte.
Und das war gut.
Er verbrachte immer
wieder längere Zeiträume damit, seinem
Bildschirmschoner bei der Arbeit
zuzusehen. Manchmal verstieg er sich
darein, vorherzusagen, welcher der
weißen Punkte als nächstes fallen
würde. In der letzten Zeit allerdings war
ihm das Ganze auch immer
wieder wie die Abbildung eines Vierers vorgekommen,
oder auch von
zweien, die gleichzeitig passierten & einander, mitunter,
&
wenn auch nur leicht, berührten.
Er besaß allerdings
kaum wirkliche Kenntnis vom aktuellen Stand der
Dinge in den Feldern der
Aufnahme- & Übersetzungstechnik, ging
jedoch davon aus, daß es wohl noch
mehr als eine Generation dauern
würde, bis ein Programm in der Lage sein
würde, diese, wohl ganz
spezielle, Vision bezüglich seines Bildschirmschoners
umzusetzen.
Sie hatte irrsinnige
Kopfschmerzen. Und sie war einiges gewohnt. In
den Zeiten, in denen sie mit
Alkoholischem zu tun gehabt hatte, war
sie vor absolut nichts bang gewesen.
Sie kannte sich aus. Sie hatte
eigentlich immer alle unter den Tisch
getrunken, ohne es zu
wollen.
Aber das, was ihr
jetzt durch die Hirnrinde tobte, war einfach eine
andere Liga. Seit etwa fünf
Minuten erbrach sie nur noch heiße Luft.
Noch nie hatte sie dermaßene
Kopfschmerzen gehabt. Sie wußte nicht
mehr, wo sie sich lassen sollte. Sie
hatte sich vollgepißt & sie
hätte ihre Eltern verkauft. Beide. Ohne zu
zögern.
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Semmjonnoff hatte
einen an der Waffel. Ihm kreißte, seit halber Fünf
schon, die totale
Mondfinsternis durch sämtliche Geweide, ein. Wärts
& immerzu aushäusig.
Da war dieser
denkwürdige Augenblick gewesen, in dem er sich langsam
um die eigene Achse
gedreht hatte, mitten in seinem einen Zimmer. Es
war getan, er hatte
stundenlang klar Schiff gemacht & war nun
fertig für eine Freitagnacht.
Er zog seine Jacke an, nahm noch einen
Schluck & sattelte die Taschen.
Dann schnaufte er. Etwas schien
nicht zu stimmen, & nach kurzem Hadern
wurde es ihm klar. Diese
Nacht war zum Schreiben gemacht.
Warum konnte die Muse
eigentlich nicht am Anfang oder in der Mitte
einer Woche zu ihm kommen ?
Machte er etwas falsch ?
Warum immer bevorzugt dann, wenn in der
Stadt der Bär tobte ?
Er kannte das, &
so ergab er sich.
Die Jackentaschen
entladend, legte er eine neue CD ein. Sein Atmen
ringelte sich zunehmend um
die Musik & da hinein begann er zu
schreiben.
Murrays Saxophon
wieherte elektrisierend. Murray war ganz fraglos ein
Pfund. Und wirklich,
hätte Semmjonnoff eines Tages einen Hund, Murray
wäre sein Name. Das müßte
dann aber schon ein ganz spezieller Hund
sein, keine Frage. Wie Murray eben.
Biß & mitunter mythische
Tiefe. Hörsam & voranst. Älter als alt &
verrückend.
Und es dauerte etwas
zu lange, bis er bemerkte, daß er nichts
Gescheites zustande bringen würde,
in dieser Freitagnacht. Er trank.
Und wieder einmal hatte er eine Lesung
verpaßt.
SmackJacks Finger
tanzten über die Regler. Er wußte er müßte
wiedereinmal gut sein, in dieser
Nacht, außergewöhnlich. Die meisten
der Pfeifen da draußen waren ziemlich
trocken, & da waren Leute,
die kotzten sich jetzt schon den dritten Tag
hintereinander
gegenseitig die Wände voll.
Sein Keyboard war
voller Asche. Auch er hatte seine Probleme. Aber
danach hatte noch nie jemand
wirklich ernsthaft gefragt. Und so würde
er es machen, irgendwie, auch in
dieser Nacht.
Gagga San hatte etwas
Enzyklopädisches bei jedem seiner Touchdowns.
Das gab es so nicht noch einmal
zur Zeit. Und wenn die anderen
sprachen, sah er sie immer tanzen. Etwas in
ihm setzte ihr Sprechen in
Bewegung um. Und beim Touchdown kam der Groove
jedesmal von ihm.
Saftig & gut, kein Problem. Er hatte immer mehr als nur
eine
Idee.
Das war wie
Achterbahnfahren, einmal querbeet die halbe Galaxie,
besonders für das
Publikum. Du mußtest dich einfach völlig auf Gagga
San verlassen. Seinem
dreckig brummelndem Bogen aufsitzen & die
Bocksprünge herzhaft Lachen.
Ungefähr so, wie ein
Tornadojäger, wenn er zum Auge des Sturmes
unterwegs ist, & um ihn her
eine unvorstellbare Hölle, mit
tödlicher Gewalt, den Piloten aufs Äußerste
verlangt. Der Pilot das
Flugzeug mitunter einfach machen lassen muß. Sonst
bräche es.
Diesmal hatte sie
geträumt, ferngesehen zu haben. Nicht, daß sie sich
damit nicht dann &
wann bereits konfrontiert gesehen hätte. Aber
in ihrem Traum war das
Fernsehen ganz speziell auf sie zugeschnitten
gewesen. Und was, bitteschön,
sollte das denn nun sein,
Katzenfernsehen !
Nein, nicht, was es
sein könnte. Das wäre doch nichts weiter als
irgendeine Sorte völlige
Spinnerei. Menschenkram. bambuli.
Eben.
Ketscho war nicht einmal
halb so satt, wie in ihrem Traum. Daran war
nichts zu ändern. Sie verließ
ihren Schlafplatz & trollte sich in,
hoffentlich wohl kalorienhaltigere,
Gefilde.
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Manchmal dachte er an die
Zeit, bevor all die Weißen gekommen waren.
Eine gelassene, verrückte, eine
gute Zeit. Das Leben war nicht so
bunt, so schnell gewesen, wie nun, fast
schon widerwärtig, zunehmend.
Je mehr die Weißen sich Macht & Einfluß
genommen hatten, desto
unkontrollierter war ihr Verhalten geworden.
Die Konsequenzen der
Folgen dessen, was sie machten, hatten sie
niemals wirklich & auch nur im
Geringsten interessiert. Zumindest
nicht die, jeweils nur wenigen unter
ihnen, die glaubten, als einzige
etwas zu entscheiden zu haben.
Das war es übrigens,
was vielen der Weißen fehlte, ganz gleichgültig,
welche Sprache sie die ihrer
Mutter nannten. Unter ihnen gab es, zu
lange Zeit, keine wirklich
Entschiedenen. Oder, wenn sie
Entscheidungen trafen, waren es, in der Regel,
falsche.
Mittlerweile schien
sich das allerdings ein wenig zu ändern. Manche
unter ihnen hatten ein Gespür
entwickelt, für die Wichtigen Dinge. Und
sie hatten begonnen, dem zu
vertrauen & daraus zu lernen. Wie bei
guter Musik.
Da geht es ja zunächst
einmal, vor allem anderen, nur um eines.
Zuhören & dann nochmal Zuhören.
Sonst blieb Verständnis
unmöglich.
Ihr Schaukelstuhl war
nicht mehr der alte. Das war das tatsächliche
Problem. Denn wenn sie nicht
mehr wirklich würde Schaukeln können,
dann wäre es wohl auch mit dem Singen
nicht mehr lange richtig. Das
alles ging nun schon längere Zeit immer mehr
den Bach runter. So viel
schien ihr ziemlich sicher zu sein. Und ihr war
nicht sehr wohl dabei.
Wie würde sie die Welt denn dann überhaupt noch
weitersingen können
?
Ihr war klar, daß
niemand ihr das wirklich glauben würde, aber das war
es, was sie tat. All die
Zeiten über & den marrokkan'roll
hindurch. Und etwas hatte ihr
eindringlich gesagt, daß es mit ihrem
Schaukelstuhl in absehbarer Zeit zu
Ende gehen würde.
Sie kannte die meisten
der Geschichten von Paul & Mohammed. Das
war einer ihrer Treibstoffe.
Betrink dich niemals außerhalb der
eigenen vier Wände, Jack Kerouac. All
dieses Zeug. Gern & überaus
martialisch.
Niemand, nicht einmal
der Regen, hatte solch winzige, kleine Hände.
Ganz zu schweigen von diesem
unsäglichen Woody Allen. Wovon abgesehen
eigentlich wirklich kein Bedarf an
neuen Philosophien besteht. Wir
müssen nur mit der Schlampigkeit des Denkens
aufhören. Jamu !
Da war dieser
schielende Zwerg gewesen, eigentlich ein freundlicher
Zeitgenosse, der ihr
unbedingt hatte beweisen müssen, er sei ein
ganzer Kerl. Also hatte er ihre
Hand gedrückt, beim Abschied.
Noch bevor auch sie
hatte vernünftig zupacken können, hatte er
zugedrückt, sobald er der Ansicht
gewesen war, genug Fleisch erfaßt zu
haben. Wie Sau.
Ihr rechter kleiner
Finger hatte noch Wochen geschmerzt. Am übelsten
immer unmittelbar nach dem
Wachwerden.
Sie hatte es nicht
wahrhaben wollen, aber die Guardia war tatsächlich
hinter uns. Dann hätten
die doch Blaulicht auf dem Autodach.
Nicht unbedingt. Ich
kenne mich da aus. Aber sie glaubte mir
nicht.
Zum Glück war dieses,
sehr offensichtliche, Auto bislang einfach nur
hinter mir geblieben. Das
hatte mich übrigens davon überzeugt, das da
wohl tatsächlich etwas im Busch
war. Was würde geschehen, wenn sie
mich aufforderten, anzuhalten ?
Seien Sie bitte nicht
so laut. Es könnte sein, daß die gar nichts von
uns wollen.
An der nächsten Ampel
setzten sie sich dann neben uns. Der Typ auf dem
Beifahrersitz musterte erst
mich & dann die Frau, so gut ihm das,
unter den gegebenen Umständen &
möglichst unauffällig, möglich
war.
Als die Ampel auf Grün
schaltete, bogen sie links ab. Wir hatten beide
keine Miene verzogen.
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Sie hatte keine Latte.
Sie hätte jetzt eine gebrauchen können. Aber
sie hatte keine Latte. Sie ließ
den Hammer zu Boden poltern, ging nach
draußen & setzte sich dort matt
auf das dunkel spröde Holz der
Veranda. Sie zog das gelbe Tuch aus der
Brusttasche ihrer Arbeitshose
& wischte sich den Schweiß aus dem Nacken.
Dann ließ sie ihren
Blick entspannt & absichtslos über all die
Formen & Farben gleiten.
Seit der Kühlschrank den Geist aufgegeben
hatte, gab er eine akzeptable
Rückenlehne ab. Sie vermißte sein Surren
keineswegs.
Nachdem sie sich, bis
zum weiten Horizont, sattgesehen hatte, verlor
sich ihr Blick in den
zahllosen Grüns darunter. Seltsam, wie wenig
Worte es in ihrer Sprache für
all diese Verschiedenheiten gab.
Das Stück einer
Ameisenstraße, pulsierende Geschäftigkeit, nicht ohne
Widerspruch hirnlos zu
nennen. Zwischen dem Dreirad & dem alten
Marshall-Turm. Ein schier
unglaubliches Gewimmel Leiber.
Was sie mit den Augen
wahrnahm, entfaltete sich in ihr zu einer
überaus hitzigen Musik. Ein, nicht
wirklich schneller, eigenartiger
Puls gab den Teppich ab. Und darüber eine
Vielzahl, offenbar
unterschiedlichster, Blasinstrumente.
Die harte Arbeit eines
Streichquartettes, hauptsächlich im Untergrund.
Immer dann unsäglich sägend,
wenn sie nicht damit rechnete. Aber das
machte es dann auch schon wieder
ausrechenbar. Und auch längere Bögen
darinnen. Ameisen eben.
Sie hätte jetzt gerne
eine Latte gehabt. Mit ihr hätte sie den Schrank
gegen den Pfahl befestigen
können. Bedingt durch den, immer größer
gewordenen, Riß, neigte der alte
Schrank sich links mächtig nach vorn.
Das war nicht gut. Parallelen treffen
sich im Unendlichen. Und so
sollte es auch mit dem Schrank & dem Pfahl
bleiben.
Dieser Pfahl war
nichts besonderes. Das hatte ihr Vater immer gesagt.
So oft, daß sie
felsenfest davon überzeugt war, er habe fraglos genau
das Gegenteil gemeint.
Er war gewiß etwas besonderes, dieser Pfahl.
Mehr jedoch konnte sie nicht zu
diesem Thema sagen.
Die Ameisen bewegten
sich immer wieder, wie auf einem Rundkurs, &
in geflissentlicher
Unordnung, um den Pfahl herum. Mal einige einzeln
hintereinander her, oder
aber in unterschiedlich starken Reihen.
Gelegentlich auch in pulsierenden,
kleinen Klumpen. Das machten sie
immer, wenn die junge Frau nicht im Haus
war. Es hatte offensichtlich
eine Bedeutung für sie. Und er hatte keine
Ahnung.
Die Schmerzen in
seiner Hüfte waren seit kurzem mächtig schlimmer
geworden. Er verließ seinen
warmen Platz nur noch für die
allernötigsten Geschäfte. So genügte es
manchmal vollends, wenn er
dreimal am Tag, für einen Moment nur, nach draußen
humpelte.
Wie sie nun, leicht
verwirrt & verwirrend, da auf ihrem grünen
Koffer saß, war sie ein
glatter Vertragsbruch, eindeutig. Er fand es
ungemein aufregend, wie sie sich
um diesen kleinen Pudel kümmerte, der
an einer, sehr aufdringlich &
aristokratisch klirrenden, Leine
immer wieder in ihre Nähe kalbte.
Es war einer jener,
eher seltenen Momente, in denen etwas, in seinem
Hirnstamm & in seiner
Hose, sich in den Anblick einer wundersam
halboffenen Bluse verbissen hatte
& scheinbar nicht mehr loslassen
wollte. Als hinge er fest. Wie ein Hund
in einer Hündin & eine
Hündin um einen Hund.
Die Bluse war meerblau
& darauf waren Fische gedruckt, so bunt
& eigenartig, daß wohl nur
die Natur selbst hier Vorbild hatte
gewesen sein können.
Die Fische in seinem
Aquarium hatte er für immer zu Bett geschickt.
Noch in der Zeit auf dem
Schrottplatz. Ihm war nicht klar, in welchem
Traum er sich befand. Sein
Blutbild war, nach wie vor, innerhalb der
üblichen Toleranzgrenzen & die
Krücke völlig überarbeitet.
Die
Dachgeschoß-Wohnung, in der er lebte, wuchs allmählich &
unaufhaltsam
völlig zu. Die dreidimensionale Organisation seiner
Aufzeichnungen hatte
unnachgiebig Raum gegriffen. Zwei Rippen &
später dann noch den linken
Unterarm hatte er sich bereits dabei
gebrochen.
Es war eine überaus
abenteuerliche Konstruktion, & noch immer
arbeitete er unermüdlich an der
Installation seiner Abbildung dieser,
wahrscheinlich nahezu vollständigen,
Vernetzung aller Phänomene.
Sicher war das nicht. Allerdings bewegte er sich
offenkundig scheinbar
in genau diese Richtung.
Er mußte dringendst
pinkeln. Aber da saß diese Frau auf dem grünen
Koffer. Er war unfähig, sich
zu bewegen. Sein Mund war schon wieder
äußerst trocken. Er öffnete &
schloß sich rhythmisch, wie der
eines Fisches, jedoch in Zeitlupe.
Er zog die hölzerne
Lanze aus der Benutzeroberfläche. Dann riß er der
zugehörigen Supermaus das
Herz heraus. Seine Tochter spielte zu gern
mit diesen Gummikugeln. Der Hund
strullte mächtig auf ein Gewirr von
Kabeln. Im Kühlschrank fand er nichts
Trinkbares. Red Bull war für ihn
absolut nicht trinkbar. So begnügte er sich
mit einem
Eiswürfel.
Überall an den Wänden
waren Farbdrucke von Masken & Statuetten,
teilweise wohl in
Originalgröße. Einer dieser Geister sah ihn lange
glimmend an. Das jedoch
entging ihm vollends.
So ahnte er nichts,
als er sich den Weg zurück nach draußen bahnte.
Jedes der Geräusche, die er
hierbei verursachte, hatte etwas von der
Sprache im Emsland. So, als
schleudere man in einer großen, leeren
Halle eine ganze Containerladung
Dachlattenstücke, mit einem
entsprechenden Katapult, großflächigst an eine
Betonwand. Einmal hatte
er das schon erlebt, gehört & kein Wort
verstanden. Mitten in
seinem Heimatland.
Das war allerdings
schon lange vor der großen Katastrophe passiert man
Kartoffeln, erhält man
Kartoffelpüree, das selbstgemacht
unvergleichlich besser schmeckt, als all
der Instant Scheißdreck, der
schon seit langem kaufbar ist.
Er nahm sich noch zwei
von den Eiswürfeln. Das Lager war zu weit
entfernt. Alles Wasser, das er
nicht aufnehmen konnte, mußte er
zurücklassen. Und ob es bei einer Wiederkehr
noch hier sein würde, war
ungewiß.
Die Kritikerinnen
& Kritiker waren im Laufe der Zeit immer wieder
erschreckend
nähergekommen. Eindeutig einen ihrer Feuerplätze hatte
er, erst vor zwei
Tagen & noch warm, ganz in der Nähe vorgefunden.
Das gab ihm zu denken.
Kritikerinnen &
Kritiker hingegen hatten damit offensichtlich ihre
Schwierigkeiten. Nicht,
daß die vielen Angehörigen dieser Berufssparte
nicht viel denken würden.
Diesbezüglich war es wohl eher andersherum.
Jede Menge unglaublichsten
Scheiß.
Er hatte gehört, ein
Mindest-IQ für Models sei, seit längerem schon,
eingeführt. Aber wie war das
eigentlich bei Kritikerinnen &
Kritikern ?
Sie saß auf einem der
größeren Felsen. Ihr Magen knurrte bedenklich.
Dabei hatte sie, nicht lang
nach Sonnenaufgang, also doch vor Kurzem
erst, wirklich ausreichend &
nicht sehr gut gefrühstückt.
Sie fingerte die
Nougatschokolade aus ihrem Wamst & machte sich
darüber her. Präzise
Bewegungsabläufe minimierten Krafteinsatz &
Zeitaufwand. Sie achtelte die
Tafel & schob sich genüßlich das
erste Stück in den Mund.
Sie arbeitete hart,
jenen Wärmegrad zu erreichen, der nötig war, die
Schokolade soweit
anzuschmelzen, daß deren Konsistenz ihrer Zunge
überaus erotisch kam. Dann
schloß sie die Augen.
Seit ein paar Tagen
schon konnte sie den Baß nicht mehr hören. Das war
noch nie dagewesen. Das
durfte einfach auch nicht sein. Wenn sie den
Baß nicht hörte, konnte sie
nicht trommeln. So einfach war das. Und
trommeln mußte sie.
Wenn sie länger als
eine Woche nicht trommelte, bekam sie Verstopfung.
Und kurze Zeit später ging
dann immer rein gar nichts mehr. Sie war
jedoch noch nicht wirklich
verzweifelt.
Alles war ziemlich
leer, ohne den Baß. Mit einigen, wenigen Ausnahmen.
Denn ab & an war da
tatsächlich doch noch etwas in dieser baßlosen
Endlosigkeit. Dem spürte sie
nach, ohne allerdings den Ergebnissen zu
vertrauen, wie immer auch die
Ergebnisse waren. Sie schien sich
festgefressen. Nicht mehr & nicht
weniger.
Ihr Herz war Teil des
Pulses. Sie stampfte die Viertel ihres Wartens
darüber & senkte ihren
offenen Blick wieder auf die
Wasseroberfläche.
Einer der Götter hatte
scheints wiedermal Schwierigkeiten beim
Abhusten. So zumindest klang der
Donner. Sehr weit hintendrin &
ohne wirkliche Kraft. Den Hunden war das
vollkommen gleichgültig. Sie
heulten & raunzten ein wenig.
Einer seiner
Handrücken vollführte einen merkwürdigen Tanz auf seinen
Lippen. Seine Füße
begannen mit einer Bewegung. Die Energie stieg nach
oben. Ganz allmählich
breitete es sich aus. Und dann bewegte er sich
mit dem ganzen Körper. Wie
einer dieser Bildschirmschoner.
Er sah der Krähe nach.
Das war nicht einfach, mittlerweile tippelte er
nämlich im Kreis. Die
Drehrichtung & seine Geschwindigkeit
schienen die Krähe überhaupt nicht
zu interessieren. Natürlich nicht.
Natürlich.
Er liebte solche
Situationen. Da nahm etwas in seinen ruhigen
Bewegungen Gestalt an. Etwas
irgendwie Bekanntes. Dies Etwas
wahrgenommen haben. Ein Ganzes. Ein Teil von
Etwas. Oder ein einzelner
Aspekt. Die Erinnerung an ein Großes Lachen.
Vielleicht gehört. Oder
gesehen. Möglicherweise auch gefühlt. Oder geträumt.
Durchaus. Jetzt
der Bildschirmschoner.
Er tanzte längere
Zeit. Dann war die Oberfläche annähernd gänzlich
Schwarz. Gestrichen. Von so
vielen sinnlosen Bewegungen. Während des
Tanzens hatte er seine Murmeln
sämtlich gestreut. Nicht die im Mund.
Die nicht. Aber alle anderen. Aus Glas
die einen, die anderen Metall.
Ein sehr sehr altes Spiel.
Mehr wußte er nicht.
Es war ihm aber zunehmend wichtig geworden. Und
er hatte es erfunden. Dieses
Mal.
Das Donnern hatte sich
wiederholt. Einige Male. Es war nicht stärker
geworden. Das Zwielicht blieb
ruhig. Nach außen hin. Kein dröhnendes
Gebrüll. Keine Blitze geschleudert. An
der Oberfläche zumindest. Über
das Darunter forschte er gegen das Vergessen.
Es war nicht einfach. Es
war alles so viel. All der Kleinkram. Das, was immer
zu erledigen ist.
Kaum mehr Zeit für das Wesentliche. Eher weniger.
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