Und

Du

hast

noch

gar

nichts

mitbekommen

!

 

 

 

 

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Sie hatte mal wieder den Blues. Ihr Fell war ziemlich stumpf. Ein älterer Fischkopf war das einzige in ihrem kargen Magen. Und dieser Fischkopf hatte, vor etlichen Stunden schon, begonnen, sich aufzulösen. Entsprechend viel Raum blieb da dem Knurren übrig.

Ketscho hielt inne als diese, durchaus merkwürdige, Gestalt in ihrem Blickfeld auftauchte. Die Art der Bewegungen dieses Zweibeiners hatte etwas durchaus Vertrautes, obwohl immer wieder auch überaus Fremdartiges hervortrat. Aber die Entfernung war groß & des Zweibeiners Bewegungen langsam genug. Es bestand keine Gefahr. Regenwasser gluckerte in einem Gulli.

Sie trottete weiter, ihrem Schlafplatz zu. Bei dem Pegel von Geräuschen, der ihrem Magen mittlerweile entdrang, war an erfolgreichen Beutefang ohnehin nicht mehr zu denken. Und nach etwas anderem stand ihr nicht der Sinn.

Ketschos Nase hatte bereits innigst zu träumen begonnen. Nicht von diesen ewig gleichen Resten & Abfällen, nach denen zu suchen, mit jeder neuen Generation Mitesser, immer langwieriger & aufreibender wurde. Wohl aber von Mäusen, Vogeleiern in Bodennähe & ein bißchen auch von einem Karnickel.

 

 

Diese Ausdehnung nahezu völliger Stille war ihm auf das Äußerste erhaben. Immer wieder, in all ihren Farben & all ihrem Grau. Jedes einzelne Mal war es ihm neuerlich wie unglaublich. Geräusche oder Bewegungen existierten, wenn überhaupt, hier nur sehr vereinzelt. Vielleicht eine Katze & die Klänge ihrer Nahrungssuche. Oder das Klappern von Etwas in einem Wind. Hauch. Wie kurze Begrenztheiten in der Kraft einer Weite.

Diese Stille faszinierte ihn. Ein ungemein fein gesponnenes, fragil & auf ihn sehr besonderes wirkendes Bermudadreieck, zyklisch wiederkehrend, einherwandernd mit den täglichen Drehungen dieses Planeten um sich selbst. Im Kielwasser das Zwielicht eines jeden neuen Tages.

Sich nun diesen letzten Momenten Nacht zu öffnen, weit zu öffnen, dieser wahrhaftigen Ruhe & auch der scheuen Illusion von Grenzenlosigkeit darinnen, war ihm, immer wieder neu, Labsal & Refugium

 

 

Das Netzwerk säuselte & brummte. Mancherorts begannen die Arbeitsgeräusche von Kaffeemaschinen schwerem Atmen, wie auch verzagendem Seufzen, mehr & mehr zu ähneln. Jamu war überfällig. Seit ein paar Tagen schien sie verschwunden. Was ja eigentlich nicht ungewöhnlich war. Doch dieses Mal schien es irgendwie anders zu sein.

Niemand hatte sie an einem der üblichen Plätze gesehen. Und irgendjemand hatte bisher immer gewußt, wo Jamu steckte, oder wann sie wieder zurück sein würde. Aber dieses Mal konnten auch die, die es hätten wissen müssen, nicht sagen, wo sie abgeblieben war.

Da waren zwar einige Nachrichten von ihr angekommen. Doch da hatte ganz offensichtlich irgendetwas nicht gestimmt. Die verschiedenen Absendeorte waren allesamt viel zu weit voneinander entfernt. Völlig unmöglich, egal mit welchen Verkehrsmitteln. Irgendetwas stimmte nicht. So viel schien fest zu stehen.

 

 

Sie hatten es bis ins Finale geschafft. Nichts wirklich Besonderes. Und ein gutes Gefühl. Und noch dreimal wirklich gute sieben Minuten hingelegt. Dann hatten sie verloren. Es war einfach passiert. Ohne auch nur irgendwie verstanden zu sein. Der heitere Himmel. Ein leerer Kühlschrank. Die Garnele auf dem türkisfarbenen Einrad. Eine blanke Klinge. Etwas in der Art.

Diesen letzten Take waren sie, im Anschluß & an der frischen Luft, wieder & wieder durchgegangen. Sie hatten keinerlei Chance gehabt. Als Frettchen den Mund, irgendwann im Vierten, geöffnet hatte, war es einfach aus gewesen. Absturz. Vakuum.

Sie alle würden es wohl immer wieder genau auf diese Art & Weise tun. Es war ja auch gut gewesen. Sie hatten es ganz deutlich gefühlt. Bis zu diesem Punkt. Und dann war das Unerwartete geschehen. Ohne den Hauch einer Möglichkeit, es aufzuhalten.

 

 

Sie drehte sich, all ihr Brüten hindurch. In wieder einer Nachmittagssonne. Taumeling, Taumeling. Etwas hatte sie geküßt, bei ihrem letzten Besuch in diesem Café UnGlaubMich, ganze zwei Blocks von ihrer Wohnung entfernt. Die jungen, zumeist griechischen, Kellner waren gelassen & freundlich gewesen. Wie fast jeden Tag.

Martha hatte ihrem Kleinen die Brust gegeben. Und schrieb währenddessen einen, subtil interessanten, durch & durch verträumten Brief. In Ermangelung von offenkundig Wichtigem, das niederzuschreiben möglich gewesen wäre, hatte sie sich treiben lassen, den süßen Fratz immer wieder ausgiebig beobachtet. Die Geräusche, die er an ihrer Brust machte, hatten sanft & beruhigend gewirkt.

Als sich ihr, melancholisch umherschweifender, Blick dann ein weiteres Mal tief in den Sonnenblumen verloren gab, war es passiert. Etwas hatte sie geküßt. Den Brief anschließend weiterzuschreiben, hatte nicht geholfen. Nicht wirklich.

Kurz darauf war der Kleine dann auch tatsächlich satt gewesen. So hatte sie alles zusammengerafft, bezahlt, den Kleinen auf & ihr Bündel über die Schulter genommen & war weiter ihres Weges gegangen.

 

 

Gut hatte es getan, Martha mit dem Kleinen zu beobachten, durch die Gardinen hindurch, unbemerkt. Da war diese, kaum faßbare, Leichtigkeit wieder gewesen. Eine solche Leichtigkeit, die sie selbst niemals wirklich empfunden hatte, wohl noch jemals würde empfinden können.

Sie zu Sprechen war machbar, aber es war einfach nicht ihr Ding, es selbst & tatsächlich zu sein. Völlig gleichgültig, wie oft sie die beiden auch noch würde beobachten können. Das wußte sie nur zu genau.

 

 

Es war einfach passiert. Kein Grund zur Schande, keinerlei Verzweifeln angemessen. Es hätte jedes Team treffen können, gar keine Frage. Frettchen fraglos unschuldig.

Es war eins von diesen elenden Dammnissen gewesen. Diese Art, die einfach nicht auszumerzen geht. Die sich immer wieder ereignen werden, bis ans Ende aller Zeit. Weil sie, in spontaner Gleichzeitigkeit von einander gänzlich Unbekannten, einfach nicht nicht passieren können.

 

 

Aber es war wohl auch zum Heulen, gar kein Zweifel. Im Griff hatte er sich noch nicht wieder ganz. Und auch das war in Ordnung so.

Zur Zeit genoß er die Sprachlosigkeit in diesen Stunden vor dem Morgengrauen. Sie war ihm schon immer ein wertvolles Geschenk gewesen, offenkundig & wahrhaft. Gänzlich anders als all die, divers verschiedenen, Erscheinungsformen Sprachlosigkeit im Alltag, oder auch während der Wettbewerbe.

 

 

Dieser Zweibeiner auf dem Gehweg hatte etwas zunehmend Fatales. An einem seiner Handgelenke baumelte eine viereckige Plastikflasche. Die war fast leer, zuckte mit den schnellen, minimalen Bewegungen der Hand her & hin. Seit Kurzem waren die Gesichtszüge des Zweibeiners irgendwie unerklärlich lau. In einem, asiatisch anmutendem, fernen Lächeln nahezu ruhiggestellt. Und nun sprach er sich langsam & im Kreis herum.

 

 

 

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Jedes einzelne Mal war neuerlich, unglaublich & türkis. Wieder einmal führte sein Kopf sich äußerst launisch auf, & so auch ihn. Sein Kopf führte auch ihn launisch auf. Sprechen war eine Kraft. Sein Sprechen war eine Kraft. Dem vertraute er, dem gab er sich hin &deshalb war er dabei. Deshalb war er in diesem Team. Und deshalb war er, der er war.

Er hatte gelernt, nicht zu viele Fragen zu stellen. Das war wohl nicht sein Weg. Über die Tradition wußte er zugegeben wenig. Aufmerksam war er. Wovon ihn die Reaktionen anderer immer wieder überzeugten. Die Radien seines Wahrnehmens waren offenkundig weiter, als es die Regel war. Er konnte andere immer wieder damit überraschen.

Mit der Geschwindigkeit, in der sein Geist in bestimmten Bereichen arbeitete. Schnelles Kopfrechnen war da wohl lediglich eins der kleineren Übel. Ein Teil der Kraft war in ihm.

Bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr hatte es gedauert. Dann waren die vielfältigen Wirrungen, Unverständnisse & etlich Merkwürdigeres noch, mit einem Mal sehr fordernd & auch klar geworden. Eins war zum anderen gekommen & er hatte angefangen, mit dem Wort zu arbeiten.

Es hatte gedauert, bis er seine Gemächlichkeit annähernd ergründet hatte, bis er sie hatte umarmen & dann auch tatsächlich hatte annehmen können, gänzlich haderlos.

Der zentrale Knochen dieser Gemächlichkeit war sein Vermögen zu Beharren. Das war nicht unbedingt zeitgemäß, jedoch sehr erdig. Und bei Bedarf konnte er ohne Zagen & Zaudern um Etliches schneller sein, als die meisten Zuhörenden es nachzuvollziehen in der Lage waren. Daran arbeitete er. Balance war, wonach er suchte.

Ganz unvergleichlich war sein Vermögen, auf der Stelle zu tanzen. Ein Stück Holzdiele als Anstoß, Inspiration, Anker & formgebendes Element, zum Beispiel, für unglaublich & bislang Ungehörtes, Ungesagtes.

Seine Openings waren, für die anderen im Team, immerzu verläßliche Eingänge. Das lag jedoch nicht nur an ihm, sondern auch an einer besonderen Qualität der anderen in diesem Team.

Gagga San sagte, das wäre, weil sie alle von einem Stamm seien. Zussa grinste immer nur wortlos, wenn es darauf zu sprechen kam. Und meist sah sie dann ihn dabei an, nicht Gagga. Geschlossenen Auges.

Er konnte Räume öffnen, wie kaum jemand sonst. Aber das hatte, bei der letzten Jam zumindest, rein gar nichts genutzt. Sie hatten verloren.

 

Für das Publikum hatten seine Openings allesamt etwas völlig Unglaubliches, leuchteten buntschillernde Sturzflüge hirneinwärts. Das Land zwischen den Ohren & hinter den Augen. Offene Weite. Ohne Netz & ohne Furcht. Manchmal tanzten die Leute sogar. Und das nicht nur, wenn Jamu mit im Spiel war.

Wenn man sich dem richtig öffnete, konnte man es schmecken. Oder sehen. Das war etwas. Wie eine langsame Variante Jilali-Musik. Oder der Beginn eines Tanzens Derwische.

 

 

Er kam immer von sehr weit draußen her, doch das bekam das Publikum nicht unbedingt mit. Er hatte ein paar Tricks, eingetretene Pfade, Wiedererkennbarkeiten. Soweit hatte er sich auf das Geschäftliche eingelassen. Und Interviews, welcher Art auch immer, gab er einfach nicht. Er zog Geheimnisse vor. Mutter sagt nichts.

Und so, wie seine Openings die Qualität besaßen, fast atemloses Zuhören zu induzieren, hatten sie alle ihre Stärken. Schwächen auch. Keine Frage & auch kein Thema.

 

Als das Los entschieden hatte, war sein Start glatt & nach nur zwei Sekunden gekommen. Das war die Zeit seines Einatmens, nicht mehr. Wenn er mit dem Team auf der Bühne stand, war alles andere egal. Wenn seine Zeit kam, war es seine Zeit. Und dieser Take hatte gut begonnen. Nachdem sie es versemmelt hatten, waren einige Leute gekommen & hatten gesagt, es sei tatsächlich für die Galerie gewesen. Bis zu dem Moment, als Frettchen loslegte.

Irgendetwas war da völlig schief gegangen. Keine Chance & kein Sinn darin, noch herausfinden zu wollen, wo die letzte Verantwortung für den Kickoff denn nun gelegen hatte. Sie hatten verloren.

 

Nadohry Rrep & der NidaLap waren zwei wirklich merkwürdige, nebulöse Gestalten. Legenden. Allein schon, weil sie ziemlich alte Säcke waren. Und mit der Maschinerie in ihren Rücken auch überhaupt nicht verwunderlich.

Rrep hatte etwas Ewiges & der NidaLap war ein Unikum. Der Überlieferung nach eine Einheit von sechs Wesen & auch ein großartiger Kämpfer. Er war allerdings eine Nachbildung, er war nicht das Original. Doch davon wußten nurmehr sehr wenige.

Nichtsdestotrotz waren die beiden immer im Orbit. Man mußte mit ihnen rechnen.

Manchmal überkam ihn das Gefühl, die Szene sei ein Tollhaus der überaus besonderen Art. Er hatte jedoch auch immer wieder wirklich gute Tage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Diese merkwürdige Frau hatte mein Taxi bestiegen. Und ich kann euch sagen, sie bestieg es wirklich. Aber das ist nun doch eine ziemlich andere Geschichte. Sie war betrunken & egal, was ich fragte, sie erklärte immer nur, sie befände sich in einem, wirklich ungewöhnlichen, Zustand gar schwerer Ernsthaftigkeit. Und, daß ich sie nach Hause fahren solle.

Gut, sie war wirklich hübsch, aber es war nicht so einfach, sie nach Hause zu fahren. Das könnt ihr mir glauben. Sie schien betrübt. Nicht nur der Haifisch, der hat Zähne, & die trägt er mit Gewicht !

 

Ich könnte jetzt weitererzählen. Von der Begegnung mit der Guardia, oder ihrem weißen Spitzenhöschen, von dem Typen auf der Brücke, die ich unterfuhr, oder dem, was in ihrem Treppenhaus geschah. Aber ich bin ein Kavalier alter Schule.

Als wir vor einer Wohnungstür standen, zu der sie dann tatsächlich auch einen Schlüssel hatte, gab es plötzlich eine Veränderung. Für einen, irgendwie zu langen, Moment bewegte sie sich überhaupt nicht mehr. Ich wußte nicht, wohin zu gucken. Es war, als stünde ihre Zeit still.

Als sie sich wieder bewegte, tat sie dies wie eine andere. Also die Art ihres Bewegens unterschied sich irgendwie komplett von der, die sie vorher gezeigt hatte.

Dann drehte sie sich zu mir um & sagte, sie würde mir ein Gedicht schreiben. Ich hatte keine Ahnung, was sie damit sagen wollte. Auf dem Weg zum Fahrstuhl hörte ich gelindes Rumoren. Dem folgte, während ich auf den Fahrstuhl wartete, ein kurzkräftiges Poltern & Scheppern. Und bevor sich die Fahrstuhltür hinter mir schloß, vernahm ich noch leicht hysterisches Fluchen.

Das kommt übrigens von der Gebärmutter. Hysteria ist griechisch Gebärmutter. Als gäbe es keine hysterischen Männer.

 

 

Ketscho putzte sich gelangweilt. Dann wollte sie aufstehen. Aber das klappte noch immer nicht. Nachdem sie das Karnickel verspeist hatte, war es ihr gerade eben noch gelungen, sich vor den Fernseher zu schleppen &, im Fallen, die Fernbedienung blitzschnell zu krallen.

Katzenfernsehen war mittlerweile auch schon wieder etliche Jahre auf dem Markt. Ketscho verfolgte bevorzugt die Nachrichten- & Magazinsendungen regelmäßig. Besonders Flutkatastrophen beunruhigten sie sehr, aber auch die Lage im Nahen Osten.

 

Die Erinnerung an die Autofahrt wurde rapide blasser. Nach dem nächsten Glas würde es wohl erst einmal damit vorbei sein. Eines Tages würde sie vielleicht eine Geschichte, eine Erzählung schreiben. Das Unergründliche Nu. Abgesehen von diesem Titel war da allerdings noch nicht sehr viel, abgesehen von jeder Menge möglichen Materials.

Eines Tages würde sie das Skelett dieser Geschichte sehen können. Dann auch würde es, absehbar bald, soweit sein. Jeder Tanz mit einem dieser Skelette war ein anderer. So viel war ihr inzwischen glasklar. Der Rotwein war trocken & gut. Eine gute Geschichte sollte wohl ebenso sein. Das war zumindest ihre Überzeugung.

 

 

Gagga San hatte den Rest der Nacht durchgetanzt. Ohne Gefangene zu machen. Zwei oder drei der Tschikkas hatten ihm zwar ausgesprochen gut gefallen. Aber sich nach einem, solch subtil skurrilen, Debakel wirklich auf eine Frau einzulassen, war noch nie gut gekommen. Das war ihm, mehr als einmal zuviel, so ergangen & also hatte er diesmal die Finger davon gelassen.

Und zuguterletzt war er auch noch von der Brücke gesprungen. Zum Zwecke endgültiger Abkühlung. In voller Montur, aber das war ja bei ihm lohengrin nie viel.

Klatschnaß & wieder einigermaßen klar im Schädel war er den Rest des Weges gegangen. Glücklicherweise war er noch vor Anbruch der Dämmerung zu Hause & mit dem Kopf unter der Bettdecke gewesen. Alles andere hätte ihm Unglück bedeutet.

 

Oft war die Schlußsequenz seine. Er war die Erde. Sie konnten allemal all ihre Schleifen fliegen. Frettchen, an guten Tagen, hätte auch aus einem Physikbuch memorieren können. Kein Problem. Wenn sie gut beieinander waren.

Er konnte all ihre Schleifen wieder zusammenbinden. Er konnte es immer sehen, in diesem schwarzen Raum zwischen seinen Ohren. Und dann war es eigentlich kein Problem mehr für ihn, sie alle noch einmal ihre schillernden Flügel schütteln zu lassen. Beim Touchdown.

 

 

Sie ließ die Lamelle der Jalousie behutsam in ihre ursprüngliche Lage zurückgleiten & wendete sich wieder der Mitte des Raumes zu.

Seit vier oder fünf Tagen schien Jamu nicht mehr gegenüber, in ihrem Lieblingscafé, aufgetaucht zu sein. Sie hatte sich diesbezüglich auch schon bei vielen vom Personal erkundigt. Nichts. Niemand hatte sie gesehen.

Jamu war fraglos eine gute Schwimmerin, sie konnte problemlos auch mehrere Tage abgetaucht bleiben, doch diesmal hatte sich bei ihr ein, fast schon prekär, ungutes Gefühl eingeschliffen.

So hatte sie viel Zeit am Fenster ihres Studios verbracht, mitten in ihrer Arbeit. Und noch kein Ende abzusehen. Das Basismaterial war dürftig. Wieder & wieder hatte sie sich mit dem Wenigen beschäftigt, das ihr zur Verfügung stand. Das Bild war noch lange nicht klar. Da waren einfach noch zu viele Nebelungen übrig.

Bei diesem Projekt Vollständigkeit zu erreichen, schien völlig unmöglich. Sich damit abzufinden, keine Vollständigkeit erreichen zu können, barg jedoch noch ein gänzlich anderes Problem in sich. Da waren einfach noch zu viele Nebelungen übrig. Und wo war Jamu ?

 

 

Wie immer an Samstagen beherrschte auch an diesem Tag & wie üblich schon seit dem frühen Morgen, geschäftiges Treiben den Platz Der Toten Lektoren. Auf die Rückwand eines Parkhauses waren Projektionen geworfen. Fotos von all denen, die inzwischen doch aufgegeben hatten.

Die Fläche war fast vollkommen bedeckt & bald würden sie die ersten Fotos herausfallen lassen müssen. Einfach weil diese schmuddelige Parkhausrückwand nun doch nicht mehr groß genug war.

Frettchen saß am Wettschalter seines Busses. Er war noch nicht im Traum dazu gekommen, die heutigen Einnahmen zu zählen. Zu ununterbrochen war der Strom seiner Kundschaft. Das Geschäft brummte. Und das war gut.

 

Er verbrachte immer wieder längere Zeiträume damit, seinem Bildschirmschoner bei der Arbeit zuzusehen. Manchmal verstieg er sich darein, vorherzusagen, welcher der weißen Punkte als nächstes fallen würde. In der letzten Zeit allerdings war ihm das Ganze auch immer wieder wie die Abbildung eines Vierers vorgekommen, oder auch von zweien, die gleichzeitig passierten & einander, mitunter, & wenn auch nur leicht, berührten.

Er besaß allerdings kaum wirkliche Kenntnis vom aktuellen Stand der Dinge in den Feldern der Aufnahme- & Übersetzungstechnik, ging jedoch davon aus, daß es wohl noch mehr als eine Generation dauern würde, bis ein Programm in der Lage sein würde, diese, wohl ganz spezielle, Vision bezüglich seines Bildschirmschoners umzusetzen.

 

 

Sie hatte irrsinnige Kopfschmerzen. Und sie war einiges gewohnt. In den Zeiten, in denen sie mit Alkoholischem zu tun gehabt hatte, war sie vor absolut nichts bang gewesen. Sie kannte sich aus. Sie hatte eigentlich immer alle unter den Tisch getrunken, ohne es zu wollen.

Aber das, was ihr jetzt durch die Hirnrinde tobte, war einfach eine andere Liga. Seit etwa fünf Minuten erbrach sie nur noch heiße Luft. Noch nie hatte sie dermaßene Kopfschmerzen gehabt. Sie wußte nicht mehr, wo sie sich lassen sollte. Sie hatte sich vollgepißt & sie hätte ihre Eltern verkauft. Beide. Ohne zu zögern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Semmjonnoff hatte einen an der Waffel. Ihm kreißte, seit halber Fünf schon, die totale Mondfinsternis durch sämtliche Geweide, ein. Wärts & immerzu aushäusig.

Da war dieser denkwürdige Augenblick gewesen, in dem er sich langsam um die eigene Achse gedreht hatte, mitten in seinem einen Zimmer. Es war getan, er hatte stundenlang klar Schiff gemacht & war nun fertig für eine Freitagnacht. Er zog seine Jacke an, nahm noch einen Schluck & sattelte die Taschen. Dann schnaufte er. Etwas schien nicht zu stimmen, & nach kurzem Hadern wurde es ihm klar. Diese Nacht war zum Schreiben gemacht.

Warum konnte die Muse eigentlich nicht am Anfang oder in der Mitte einer Woche zu ihm kommen ?   Machte er etwas falsch ?   Warum immer bevorzugt dann, wenn in der Stadt der Bär tobte ?   Er kannte das, & so ergab er sich.

Die Jackentaschen entladend, legte er eine neue CD ein. Sein Atmen ringelte sich zunehmend um die Musik & da hinein begann er zu schreiben.

Murrays Saxophon wieherte elektrisierend. Murray war ganz fraglos ein Pfund. Und wirklich, hätte Semmjonnoff eines Tages einen Hund, Murray wäre sein Name. Das müßte dann aber schon ein ganz spezieller Hund sein, keine Frage. Wie Murray eben. Biß & mitunter mythische Tiefe. Hörsam & voranst. Älter als alt & verrückend.

Und es dauerte etwas zu lange, bis er bemerkte, daß er nichts Gescheites zustande bringen würde, in dieser Freitagnacht. Er trank. Und wieder einmal hatte er eine Lesung verpaßt.

SmackJacks Finger tanzten über die Regler. Er wußte er müßte wiedereinmal gut sein, in dieser Nacht, außergewöhnlich. Die meisten der Pfeifen da draußen waren ziemlich trocken, & da waren Leute, die kotzten sich jetzt schon den dritten Tag hintereinander gegenseitig die Wände voll.

Sein Keyboard war voller Asche. Auch er hatte seine Probleme. Aber danach hatte noch nie jemand wirklich ernsthaft gefragt. Und so würde er es machen, irgendwie, auch in dieser Nacht.

 

 

Gagga San hatte etwas Enzyklopädisches bei jedem seiner Touchdowns. Das gab es so nicht noch einmal zur Zeit. Und wenn die anderen sprachen, sah er sie immer tanzen. Etwas in ihm setzte ihr Sprechen in Bewegung um. Und beim Touchdown kam der Groove jedesmal von ihm. Saftig & gut, kein Problem. Er hatte immer mehr als nur eine Idee.

Das war wie Achterbahnfahren, einmal querbeet die halbe Galaxie, besonders für das Publikum. Du mußtest dich einfach völlig auf Gagga San verlassen. Seinem dreckig brummelndem Bogen aufsitzen & die Bocksprünge herzhaft Lachen.

Ungefähr so, wie ein Tornadojäger, wenn er zum Auge des Sturmes unterwegs ist, & um ihn her eine unvorstellbare Hölle, mit tödlicher Gewalt, den Piloten aufs Äußerste verlangt. Der Pilot das Flugzeug mitunter einfach machen lassen muß. Sonst bräche es.

 

 

Diesmal hatte sie geträumt, ferngesehen zu haben. Nicht, daß sie sich damit nicht dann & wann bereits konfrontiert gesehen hätte. Aber in ihrem Traum war das Fernsehen ganz speziell auf sie zugeschnitten gewesen. Und was, bitteschön, sollte das denn nun sein, Katzenfernsehen !

Nein, nicht, was es sein könnte. Das wäre doch nichts weiter als irgendeine Sorte völlige Spinnerei. Menschenkram. bambuli. Eben.

Ketscho war nicht einmal halb so satt, wie in ihrem Traum. Daran war nichts zu ändern. Sie verließ ihren Schlafplatz & trollte sich in, hoffentlich wohl kalorienhaltigere, Gefilde.

 

 

 

 

 

 

 

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Manchmal dachte er an die Zeit, bevor all die Weißen gekommen waren. Eine gelassene, verrückte, eine gute Zeit. Das Leben war nicht so bunt, so schnell gewesen, wie nun, fast schon widerwärtig, zunehmend. Je mehr die Weißen sich Macht & Einfluß genommen hatten, desto unkontrollierter war ihr Verhalten geworden.

Die Konsequenzen der Folgen dessen, was sie machten, hatten sie niemals wirklich & auch nur im Geringsten interessiert. Zumindest nicht die, jeweils nur wenigen unter ihnen, die glaubten, als einzige etwas zu entscheiden zu haben.

Das war es übrigens, was vielen der Weißen fehlte, ganz gleichgültig, welche Sprache sie die ihrer Mutter nannten. Unter ihnen gab es, zu lange Zeit, keine wirklich Entschiedenen. Oder, wenn sie Entscheidungen trafen, waren es, in der Regel, falsche.

Mittlerweile schien sich das allerdings ein wenig zu ändern. Manche unter ihnen hatten ein Gespür entwickelt, für die Wichtigen Dinge. Und sie hatten begonnen, dem zu vertrauen & daraus zu lernen. Wie bei guter Musik.

Da geht es ja zunächst einmal, vor allem anderen, nur um eines. Zuhören & dann nochmal Zuhören. Sonst blieb Verständnis unmöglich.

 

 

Ihr Schaukelstuhl war nicht mehr der alte. Das war das tatsächliche Problem. Denn wenn sie nicht mehr wirklich würde Schaukeln können, dann wäre es wohl auch mit dem Singen nicht mehr lange richtig. Das alles ging nun schon längere Zeit immer mehr den Bach runter. So viel schien ihr ziemlich sicher zu sein. Und ihr war nicht sehr wohl dabei. Wie würde sie die Welt denn dann überhaupt noch weitersingen können ?

Ihr war klar, daß niemand ihr das wirklich glauben würde, aber das war es, was sie tat. All die Zeiten über & den marrokkan'roll hindurch. Und etwas hatte ihr eindringlich gesagt, daß es mit ihrem Schaukelstuhl in absehbarer Zeit zu Ende gehen würde.

Sie kannte die meisten der Geschichten von Paul & Mohammed. Das war einer ihrer Treibstoffe. Betrink dich niemals außerhalb der eigenen vier Wände, Jack Kerouac. All dieses Zeug. Gern & überaus martialisch.

Niemand, nicht einmal der Regen, hatte solch winzige, kleine Hände. Ganz zu schweigen von diesem unsäglichen Woody Allen. Wovon abgesehen eigentlich wirklich kein Bedarf an neuen Philosophien besteht. Wir müssen nur mit der Schlampigkeit des Denkens aufhören. Jamu !

 

Da war dieser schielende Zwerg gewesen, eigentlich ein freundlicher Zeitgenosse, der ihr unbedingt hatte beweisen müssen, er sei ein ganzer Kerl. Also hatte er ihre Hand gedrückt, beim Abschied.

Noch bevor auch sie hatte vernünftig zupacken können, hatte er zugedrückt, sobald er der Ansicht gewesen war, genug Fleisch erfaßt zu haben. Wie Sau.

Ihr rechter kleiner Finger hatte noch Wochen geschmerzt. Am übelsten immer unmittelbar nach dem Wachwerden.

 

 

Sie hatte es nicht wahrhaben wollen, aber die Guardia war tatsächlich hinter uns. Dann hätten die doch Blaulicht auf dem Autodach.

Nicht unbedingt. Ich kenne mich da aus. Aber sie glaubte mir nicht.

Zum Glück war dieses, sehr offensichtliche, Auto bislang einfach nur hinter mir geblieben. Das hatte mich übrigens davon überzeugt, das da wohl tatsächlich etwas im Busch war. Was würde geschehen, wenn sie mich aufforderten, anzuhalten ?

Seien Sie bitte nicht so laut. Es könnte sein, daß die gar nichts von uns wollen.

An der nächsten Ampel setzten sie sich dann neben uns. Der Typ auf dem Beifahrersitz musterte erst mich & dann die Frau, so gut ihm das, unter den gegebenen Umständen & möglichst unauffällig, möglich war.

Als die Ampel auf Grün schaltete, bogen sie links ab. Wir hatten beide keine Miene verzogen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sie hatte keine Latte. Sie hätte jetzt eine gebrauchen können. Aber sie hatte keine Latte. Sie ließ den Hammer zu Boden poltern, ging nach draußen & setzte sich dort matt auf das dunkel spröde Holz der Veranda. Sie zog das gelbe Tuch aus der Brusttasche ihrer Arbeitshose & wischte sich den Schweiß aus dem Nacken.

Dann ließ sie ihren Blick entspannt & absichtslos über all die Formen & Farben gleiten. Seit der Kühlschrank den Geist aufgegeben hatte, gab er eine akzeptable Rückenlehne ab. Sie vermißte sein Surren keineswegs.

Nachdem sie sich, bis zum weiten Horizont, sattgesehen hatte, verlor sich ihr Blick in den zahllosen Grüns darunter. Seltsam, wie wenig Worte es in ihrer Sprache für all diese Verschiedenheiten gab.

Das Stück einer Ameisenstraße, pulsierende Geschäftigkeit, nicht ohne Widerspruch hirnlos zu nennen. Zwischen dem Dreirad & dem alten Marshall-Turm. Ein schier unglaubliches Gewimmel Leiber.

Was sie mit den Augen wahrnahm, entfaltete sich in ihr zu einer überaus hitzigen Musik. Ein, nicht wirklich schneller, eigenartiger Puls gab den Teppich ab. Und darüber eine Vielzahl, offenbar unterschiedlichster, Blasinstrumente.

Die harte Arbeit eines Streichquartettes, hauptsächlich im Untergrund. Immer dann unsäglich sägend, wenn sie nicht damit rechnete. Aber das machte es dann auch schon wieder ausrechenbar. Und auch längere Bögen darinnen. Ameisen eben.

 

Sie hätte jetzt gerne eine Latte gehabt. Mit ihr hätte sie den Schrank gegen den Pfahl befestigen können. Bedingt durch den, immer größer gewordenen, Riß, neigte der alte Schrank sich links mächtig nach vorn. Das war nicht gut. Parallelen treffen sich im Unendlichen. Und so sollte es auch mit dem Schrank & dem Pfahl bleiben.

Dieser Pfahl war nichts besonderes. Das hatte ihr Vater immer gesagt. So oft, daß sie felsenfest davon überzeugt war, er habe fraglos genau das Gegenteil gemeint. Er war gewiß etwas besonderes, dieser Pfahl. Mehr jedoch konnte sie nicht zu diesem Thema sagen.

Die Ameisen bewegten sich immer wieder, wie auf einem Rundkurs, & in geflissentlicher Unordnung, um den Pfahl herum. Mal einige einzeln hintereinander her, oder aber in unterschiedlich starken Reihen. Gelegentlich auch in pulsierenden, kleinen Klumpen. Das machten sie immer, wenn die junge Frau nicht im Haus war. Es hatte offensichtlich eine Bedeutung für sie. Und er hatte keine Ahnung.

Die Schmerzen in seiner Hüfte waren seit kurzem mächtig schlimmer geworden. Er verließ seinen warmen Platz nur noch für die allernötigsten Geschäfte. So genügte es manchmal vollends, wenn er dreimal am Tag, für einen Moment nur, nach draußen humpelte.

 

 

Wie sie nun, leicht verwirrt & verwirrend, da auf ihrem grünen Koffer saß, war sie ein glatter Vertragsbruch, eindeutig. Er fand es ungemein aufregend, wie sie sich um diesen kleinen Pudel kümmerte, der an einer, sehr aufdringlich & aristokratisch klirrenden, Leine immer wieder in ihre Nähe kalbte.

Es war einer jener, eher seltenen Momente, in denen etwas, in seinem Hirnstamm & in seiner Hose, sich in den Anblick einer wundersam halboffenen Bluse verbissen hatte & scheinbar nicht mehr loslassen wollte. Als hinge er fest. Wie ein Hund in einer Hündin & eine Hündin um einen Hund.

Die Bluse war meerblau & darauf waren Fische gedruckt, so bunt & eigenartig, daß wohl nur die Natur selbst hier Vorbild hatte gewesen sein können.

Die Fische in seinem Aquarium hatte er für immer zu Bett geschickt. Noch in der Zeit auf dem Schrottplatz. Ihm war nicht klar, in welchem Traum er sich befand. Sein Blutbild war, nach wie vor, innerhalb der üblichen Toleranzgrenzen & die Krücke völlig überarbeitet.

Die Dachgeschoß-Wohnung, in der er lebte, wuchs allmählich & unaufhaltsam völlig zu. Die dreidimensionale Organisation seiner Aufzeichnungen hatte unnachgiebig Raum gegriffen. Zwei Rippen & später dann noch den linken Unterarm hatte er sich bereits dabei gebrochen.

Es war eine überaus abenteuerliche Konstruktion, & noch immer arbeitete er unermüdlich an der Installation seiner Abbildung dieser, wahrscheinlich nahezu vollständigen, Vernetzung aller Phänomene. Sicher war das nicht. Allerdings bewegte er sich offenkundig scheinbar in genau diese Richtung.

Er mußte dringendst pinkeln. Aber da saß diese Frau auf dem grünen Koffer. Er war unfähig, sich zu bewegen. Sein Mund war schon wieder äußerst trocken. Er öffnete & schloß sich rhythmisch, wie der eines Fisches, jedoch in Zeitlupe.

 

 

Er zog die hölzerne Lanze aus der Benutzeroberfläche. Dann riß er der zugehörigen Supermaus das Herz heraus. Seine Tochter spielte zu gern mit diesen Gummikugeln. Der Hund strullte mächtig auf ein Gewirr von Kabeln. Im Kühlschrank fand er nichts Trinkbares. Red Bull war für ihn absolut nicht trinkbar. So begnügte er sich mit einem Eiswürfel.

Überall an den Wänden waren Farbdrucke von Masken & Statuetten, teilweise wohl in Originalgröße. Einer dieser Geister sah ihn lange glimmend an. Das jedoch entging ihm vollends.

So ahnte er nichts, als er sich den Weg zurück nach draußen bahnte. Jedes der Geräusche, die er hierbei verursachte, hatte etwas von der Sprache im Emsland. So, als schleudere man in einer großen, leeren Halle eine ganze Containerladung Dachlattenstücke, mit einem entsprechenden Katapult, großflächigst an eine Betonwand. Einmal hatte er das schon erlebt, gehört & kein Wort verstanden. Mitten in seinem Heimatland.

Das war allerdings schon lange vor der großen Katastrophe passiert man Kartoffeln, erhält man Kartoffelpüree, das selbstgemacht unvergleichlich besser schmeckt, als all der Instant Scheißdreck, der schon seit langem kaufbar ist.

 

Er nahm sich noch zwei von den Eiswürfeln. Das Lager war zu weit entfernt. Alles Wasser, das er nicht aufnehmen konnte, mußte er zurücklassen. Und ob es bei einer Wiederkehr noch hier sein würde, war ungewiß.

Die Kritikerinnen & Kritiker waren im Laufe der Zeit immer wieder erschreckend nähergekommen. Eindeutig einen ihrer Feuerplätze hatte er, erst vor zwei Tagen & noch warm, ganz in der Nähe vorgefunden. Das gab ihm zu denken.

Kritikerinnen & Kritiker hingegen hatten damit offensichtlich ihre Schwierigkeiten. Nicht, daß die vielen Angehörigen dieser Berufssparte nicht viel denken würden. Diesbezüglich war es wohl eher andersherum. Jede Menge unglaublichsten Scheiß.

Er hatte gehört, ein Mindest-IQ für Models sei, seit längerem schon, eingeführt. Aber wie war das eigentlich bei Kritikerinnen & Kritikern ?

 

Sie saß auf einem der größeren Felsen. Ihr Magen knurrte bedenklich. Dabei hatte sie, nicht lang nach Sonnenaufgang, also doch vor Kurzem erst, wirklich ausreichend & nicht sehr gut gefrühstückt.

Sie fingerte die Nougatschokolade aus ihrem Wamst & machte sich darüber her. Präzise Bewegungsabläufe minimierten Krafteinsatz & Zeitaufwand. Sie achtelte die Tafel & schob sich genüßlich das erste Stück in den Mund.

Sie arbeitete hart, jenen Wärmegrad zu erreichen, der nötig war, die Schokolade soweit anzuschmelzen, daß deren Konsistenz ihrer Zunge überaus erotisch kam. Dann schloß sie die Augen.

 

 

Seit ein paar Tagen schon konnte sie den Baß nicht mehr hören. Das war noch nie dagewesen. Das durfte einfach auch nicht sein. Wenn sie den Baß nicht hörte, konnte sie nicht trommeln. So einfach war das. Und trommeln mußte sie.

Wenn sie länger als eine Woche nicht trommelte, bekam sie Verstopfung. Und kurze Zeit später ging dann immer rein gar nichts mehr. Sie war jedoch noch nicht wirklich verzweifelt.

Alles war ziemlich leer, ohne den Baß. Mit einigen, wenigen Ausnahmen. Denn ab & an war da tatsächlich doch noch etwas in dieser baßlosen Endlosigkeit. Dem spürte sie nach, ohne allerdings den Ergebnissen zu vertrauen, wie immer auch die Ergebnisse waren. Sie schien sich festgefressen. Nicht mehr & nicht weniger.

Ihr Herz war Teil des Pulses. Sie stampfte die Viertel ihres Wartens darüber & senkte ihren offenen Blick wieder auf die Wasseroberfläche.

Einer der Götter hatte scheints wiedermal Schwierigkeiten beim Abhusten. So zumindest klang der Donner. Sehr weit hintendrin & ohne wirkliche Kraft. Den Hunden war das vollkommen gleichgültig. Sie heulten & raunzten ein wenig.

 

 

Einer seiner Handrücken vollführte einen merkwürdigen Tanz auf seinen Lippen. Seine Füße begannen mit einer Bewegung. Die Energie stieg nach oben. Ganz allmählich breitete es sich aus. Und dann bewegte er sich mit dem ganzen Körper. Wie einer dieser Bildschirmschoner.

Er sah der Krähe nach. Das war nicht einfach, mittlerweile tippelte er nämlich im Kreis. Die Drehrichtung & seine Geschwindigkeit schienen die Krähe überhaupt nicht zu interessieren. Natürlich nicht. Natürlich.

Er liebte solche Situationen. Da nahm etwas in seinen ruhigen Bewegungen Gestalt an. Etwas irgendwie Bekanntes. Dies Etwas wahrgenommen haben. Ein Ganzes. Ein Teil von Etwas. Oder ein einzelner Aspekt. Die Erinnerung an ein Großes Lachen. Vielleicht gehört. Oder gesehen. Möglicherweise auch gefühlt. Oder geträumt. Durchaus. Jetzt der Bildschirmschoner.

Er tanzte längere Zeit. Dann war die Oberfläche annähernd gänzlich Schwarz. Gestrichen. Von so vielen sinnlosen Bewegungen. Während des Tanzens hatte er seine Murmeln sämtlich gestreut. Nicht die im Mund. Die nicht. Aber alle anderen. Aus Glas die einen, die anderen Metall. Ein sehr sehr altes Spiel.

Mehr wußte er nicht. Es war ihm aber zunehmend wichtig geworden. Und er hatte es erfunden. Dieses Mal.

 

 

Das Donnern hatte sich wiederholt. Einige Male. Es war nicht stärker geworden. Das Zwielicht blieb ruhig. Nach außen hin. Kein dröhnendes Gebrüll. Keine Blitze geschleudert. An der Oberfläche zumindest. Über das Darunter forschte er gegen das Vergessen. Es war nicht einfach. Es war alles so viel. All der Kleinkram. Das, was immer zu erledigen ist. Kaum mehr Zeit für das Wesentliche. Eher weniger.