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Ihr letztes Haar lag
in der Schatulle unter dem Bett. Die hatte sie, längere Zeit schon, nicht
mehr hervorgeholt, um das Haar herauszunehmen & dann, gegen die
Abendsonne gehalten, zu betrachten. Es gab hier andere Dinge, die ebenso
voller Erinnerungen waren.
Ihr Rücken schmerzte seit
etwa einem Jahr mehr & mehr. Es tat sehr weh, wenn sie sich bückte. Und
so hatten ihre furchen Hände schon geraume Zeit nicht mehr das Holz & die
Beschläge der Schatulle gefühlt. Was aber eigentlich auch nicht wirklich
nötig war.
Die Maserung zu sehen,
bereitete ihr keinerlei Problem. Sie mußte nur ihre Augen schließen, um sie
vor sich zu sehen. Und dann erinnerten sich ihre Hände auch immer wieder. Mit
der gewohnten Leichtigkeit. Ein ungemein feines Gefühl, bei gemächlichem
Tempo.
Ähnlich, wie mit den
Fingerkuppen einer Hand am Metall des Kopfteiles ihres Bettes
entlangzufahren, oder eine der feineren Streben mit einer Hand zu umklammern.
Sie begann ganz sachte
zu schaukeln. Der Stuhl unter ihrem, sehr knabenhaften, Hintern knarrzte dann
& wann, in einer der tieferen Lagen.
Ihre Hände fingen an,
sich, über ihr Atmen hinaus, zu bewegen. Das Rasseln der Schellen setzte ein.
Zugegeben eine minimale Musik. Aber so liebte sie es. Allmählich wurde nun
auch ihr Atmen hörbar, entfaltete sich aus ihrer Ruhe heraus. Das erste
Zucken eines ihrer langen Finger ließ den ersten Ton der Trommel erklingen.
Eines Tages waren
sämtliche Vögel rundum verstummt, nach dem ersten Ton der Trommel. Und dann
hatte sie begonnen, zu spielen, die Geister der Vögel zu preisen, & jeden
Stamm. Das war ein ganz besonderer Tag gewesen.
Seitdem hatte sie,
immer wieder mal, mit den Vögeln hier, gemeinsam Musik gemacht. Vogelmusik
zumeist.
Das letzte Mal war
jedoch anders gewesen. Etwas war da völlig mit ihr durchgegangen, wob sich
ein archaisch fordernder Teppich ihrem Trommeln aus. Obertöne, zauberischst
.....
Wenn er tanzt, haben
seine Bewegungen etwas überall & aus Enthusiastisches. Von der Wortwurzel
her. Seine Stimme rollt vornehmlich tief, wenn er rezitiert, oder auch anders
trunken ist. Und auch sein Trommeln ist Trance Tanz, Lachen & Zaudern.
Taumeln. Irren & verWirren.
Wenn er beim Tanzen
die Augen schließt, kann einfach alles geschehen. Wenn es beim Schreiben
geschieht, ist Dasein Urwald, tausendGrün, Gekreisch & Flattern.
Trommelt er, ist
bestenfalls jeder Ton wie ein Tropfen in ein, sich endlos ausdehnendes &
dennoch irgendwie stehendes, Gewässer. In endlos schwarzem Raum, gut
aufgehoben.
Dort ist die Kraft das
Trommeln & Sprechen & Tanzen der Anfang.
In unseren Rasseln
singen Samen
der Zukunft
rasseln
Pflanzensamen
Geist
Kraft
Trommeln &
Knochen, singt !
Singt Sonne & Mond
den Alten
& all dem, das
älter ist als alt
Regen
& Geburt &
Tod
Singt denen, in deren
Fußspuren wir sind
Singt dem Geist &
der Kraft
& Trommeln &
Rasseln
& Knochen
Bis Morgengrauen
Tier
häute, geist
gespannt, geschlagen
darm gezupft
Geheimnisse.
Aneinander
geschlagen
Hartholz klackt
AmeisenTraum
Zeitraum
zeiTraum
Traumzeit
Das Träumen
dem Träumen
träumen
Permutationen,
gamelanisch
das Endlose sich
Entfalten des Pulses
Mutter aller Rhythmen
& Atmen des
Lebendigen
säuselnd, brausend auf
brechend & ver
rückend
ent &
zauberisch
Ausatmen trommeln
Zussa begann, sich im
Kreis zu drehen.
Zussa drehte sich im
Kreis.
Gegen die Uhr.
Und nun bewegten sich
auch ihre Lippen.
Die anderen auf der
Bühne rückten näher.
Frettchens Phrasierung
paßte sich ihrem Murmeln an.
Etwas ereignete sich
in ihren Murmelpausen.
Etwas ereignete sich
in seinen Sprechpausen.
Etwas atmete, kaum
mehr als lautlos.
Sie konnten es alle
spüren.
Ohne Erklärung.
Es gab keine
Erklärungen.
Und als die allgemeine
Aufmerksamkeit sämtliche Münder im Raum öffnete, war es schon wieder vorbei.
Zussas Lippen lagen wieder locker miteinander. Das Drehen hielt noch eine
Weile an. Bis Frettchen verstummte. Und dann
Bei ihnen wurden die Balafone
von den Großvätern geschenkt. Jeder Mann hatte dafür zu sorgen, daß jeder
seiner Enkel ein Balafon bekam. Und nicht irgendeines. Dieses Balafon mußte
selbstgebaut sein. Das war für manch einen zwar ein Problem, für andere
jedoch ein Broterwerb.
Das Balafon war Teil
seiner frühesten Erinnerungen. Ein immenses Möbel, das er eines Tages
tatsächlich erklommen hatte. Erst viel später hatte er dann herausgefunden,
was dieses Möbelstück eigentlich war.
Diese Meinung hatte er
zwar vor kurzem revidieren müssen, aber bis dahin war sein Balafon ihm nicht
lediglich einfach nur ein Musikinstrument gewesen, sondern, weit darüber
hinaus, auch viel von dem, was eigentlich nur Menschen einander sind. Oder,
besser gesagt, was Lebewesen, nicht nur einer Art, einander sein können.
Oft hatte Großvater
ihm gesagt, warum er ausgerechnet ihm ein Balafon mit ein&zwanzig Tönen
gemacht hatte. Drei mal Sieben. Ganz einfach.
Das Instrument war ein
Monstrum, zumindest innerhalb seines Horizontes, gewesen. Und es mit
öffentlichen Verkehrsmitteln zu transportieren, bedurfte auch jetzt noch
großen Gleichmut & ebensolcher Anstrengung.
Er hatte das einmal
getan. Nicht, daß er sagen könnte, das sei bereits einmal zu viel gewesen.
Eine Erfahrung ist eben eine Erfahrung ist eine Erfahrung. Aber diese ganz
spezielle dann doch hoffentlich & bitte auch zum letzten Mal.
So war er nämlich
bereits völlig durchgeschwitzt, als er ankam, wo er aufzutreten hatte.
Entenwilli bestellte
sich gerade den ersten Kübel Pina Colada des Tages. Die Leute von der
Müllabfuhr streikten nun schon fast eine ganze Woche lang. Bald würden die
Geldsäcke sich beschweren. Auf ihre eigene, unglaubliche Art. Aber ihm konnte
das egal sein. Er saß einfach nur da, mit dem dreckigen Baseballschläger in
der Hand, & machte eine weitere Verschnaufpause.
Rattenfang war ein
anstrengender Job, keine Frage. Aber er hatte keine Wahl. Er brauchte das
Geld. Vielleicht nötiger, als ein Junkie seinen Stoff nötig brauchte. Lee
hatte auch ihn am Kanthaken.
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